Willy Deville - Pistola - Cover
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Willy Deville Pistola


  • Label: Eagle Rock/EDEL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach mehr als 30 Jahren im Musikgeschäft legt William Borsay alias Willy DeVille seine neueste Platte „Pistola“, vier Jahre nach seiner letzten Veröffentlichung „Crow Jane Alley“ (09/2004), vor. Und obwohl sich in der letzten Zeit viel getan hat, kümmert es den Musiker, der solo oder mit seiner Rhythm&Blues-Band Mink DeVille in Amerika durch die Verweigerung jeglicher Kategorisierung sehr schwankenden kommerziellen Erfolg hatte, weiterhin recht wenig, wie sein Schaffen aufgenommen wird. „Ich nehme ernst, was ich tue, aber gleichzeitig ist jedes Album auch ein großer Spaß. Wenn der fehlt, wenn man sich nicht an seinem Album freut, wie kann man dann erwarten, dass irgendjemand anders sich daran freut? Auch wenn´s egoistisch klingt – ich spiele die Musik, die ich spielen will und der Rest der Welt kann mir dabei den Buckel runterrutschen“ gibt der mittlerweile 57jährige zu Protokoll.

Denn wie auch auf den vorangegangenen Werken spielt DeVille keineswegs stur Bluesrocksongs herunter um eine angestammte Klientel zu befriedigen, sondern will sich als Künstler immer wieder aufs Neue erfinden und weiterformen. Zwar deutet nach den ersten paar Songs wie dem Rock´n´Roller „So so real“, dem leicht Reggae-infizierten „Been there, done that“ und der Country-Ballade „When I get home“ alles darauf hin, einem durch und durch konservativem Album zu lauschen, dass einfach bekannte Zutaten in einen Topf wirft und hübsch angerichtet präsentiert, doch es wäre keine Willy DeVille-Platte, würde dem Hörer keine perfekte Atmosphäre kredenzt werden, die ihn schnurstracks nach New Orleans oder Texas führt, wo diese Stile ihren Schmelztiegel beheimatet wissen.

Zu dieser Stimmung trägt natürlich unweigerlich das wandlungsfähige Organ DeVilles bei, der sich in beinahe jedem Song einem anderen Timbre annimmt und somit manchen durchschnittlichen Song um etliche Nuancen aufwertet. Schließlich schrieb schon der deutsche Musikexpress zum Erscheinen der ersten Mink DeVille-Platte „Cabretta“ (1977): „Willy ist der Prototyp eines Rock'n'Roll-Menschen. Seine Stimme ist rau, trocken, aufregend und dreckig, und in ihr schwingt die sinnliche Anmache, die uns Hörer zittern lässt“, wodurch „Pistola“ angesichts derselben Wirkung wie damals ebenfalls zu einem wahren Hörgenuss mutiert. Leider übertreibt es Willy mit den zwei Spoken Word untermauerten Tracks „Stars that speak“ und „The mountains of Manhattan“ ein wenig, da letzteres trotz indianischer Folklore (Willy ist halb Irokese) und ersteres durch eine musikalische Endlosschleife „das Mysteriöse am gesprochenen Wort“, wie er selbst sagt, nur in sehr minimalen Ausmaßen transportiert. Dennoch ein ambitioniertes Werk, das, wie quasi die letzten 30 Jahre DeVilles im Musikgeschäft, abseits jeglichen Mainstreams entstanden ist.

Anspieltipps:

  • When I Get Home
  • Been There Done That
  • I Remember The First Time

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