Schiller - Sehnsucht - Cover
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Schiller Sehnsucht


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 137 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Liebliche Arrangements und ein Gespür für balsamierende Melodien.

Wenn man an die Euro-Dance-Fehltritte von Christopher von Deylen Mitte der Neunziger denkt, kann man kaum glauben, welche Relevanz sein Projekt Schiller mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus hat. Als sich um die Jahrtausendwende herum die Singles „Glockenspiel“ und das von Peter Heppner (Ex-Wolfsheim) inbrünstig intonierte „Dream Of You“ in den Charts tummelten, zeichnete sich dagegen schon der Weg ab, der 2008 mit drei ausverkauften Deutschland-Tourneen, fünf Goldenen Schallplatten, einem Echo Award und zahlreichen Kollaborationen mit namhaften Gastsänger/innen sowie Sprechern gepflastert sein wird. Nach „Zeitgeist“, „Weltreise“, „Leben“ und „Tag und Nacht“ kommt nun das freudig erwartete fünfte Album von Schiller in die Läden, welches mit „Sehnsucht“ betitelt ist, hochkarätige Gäste (Xavier Naidoo, Ben Becker, Klaus Schulze u.a.) bereithält und in der Super Deluxe Edition mit zwei CDs und einer DVD daherkommt, allerdings mit 30 Euro den Geldbeutel herausfordert. Die günstigere Variante (CD+DVD) ist im Vergleich jedoch nur bedingt zu empfehlen, da der träumerische, musikalische Kosmos von „Sehnsucht“ dort doch sehr gestaucht wurde.

Im Dickicht aus Texten von Goethe, Grillparzer und anderen (von Ben Becker sowie Anna Maria Mühe gesprochen), Instrumental-Stücken und den Schiller-typischen Pop-Songs mit Hit-Appeal prägt sich als erstes der von Xavier Naidoo gesungene Titeltrack ein. Schließlich liest es sich prächtig, so ein Zusammenspiel dieser beiden Künstler. Das Endprodukt verstört mit seinen nervösen Rhythmen in Form von Tribal-Percussions jedoch ein wenig. Erst nach mehrmaligem Hören entfaltet sich der Song zu einer greifbaren Wohltat, was vor allem an der unkaputtbaren Stimme Naidoos liegt. „Let Me Love You“ (mit Kim Sanders) geht dagegen gleich ins Ohr und ist eine Sorglos-Nummer, bei der die Synthesizer und die bereits von anderen Schiller-Tracks bekannte Stimme sich vorhersehbar, doch schmackhaft verbinden. So verhält es sich mit vielen Stücken, die besonders auf der ersten CD nur selten wirklich mitreißen, dafür aber deutlich über dem Durchschnitt ins Ziel kommen und Schillers Erfahrung aus den Boxen dringen lassen.

Auf der zweiten Scheibe zeichnen sich dann aber zum Beispiel mit „Tired“ und „In The Dark“ echte Herzensangelegenheiten ab, die einen so schnell nicht mehr loslassen und von „Zenit“ eingerahmt werden. Zusammen mit dem Electro/Ambient-Pionier Klaus Schulze erschafft Christopher von Deylen ein 30-minütiges Epos, welches in seiner ganzen Pracht auf der DVD zu hören ist, während sich auf der CD nur ein Ausschnitt befindet. Es ist gut zu hören, dass auch individuellere Kompositionsformen wie „Zenit“ ihren Platz auf „Sehnsucht“ gefunden haben, denn bei all der stilsicheren Schönheit im Kosmos von Schiller ist der Weg zur belanglosen Berieselung in Kaffenhäusern nicht sehr weit. Dagegen steht allerdings auch dieses Mal die hohe Qualität in den lieblichen Arrangements, ein ungemeines Gespür für balsamierende Melodien, die den Tag erquickend verzieren und die grandiose Aufmachung der 2-CD/DVD-Variante, welche in Buchform samt stabilem Papp-Schuber, mit ausführlichen Texten über die Treffen mit Schillers Weggefährten und hochwertigen Bildern fasziniert.

Anspieltipps:

  • Sommernacht
  • Tired
  • Zenit
  • In The Dark
  • Forever

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