Goldfrapp - Seventh Tree - Cover
Große Ansicht

Goldfrapp Seventh Tree


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

In der offensichtlichen Schlichtheit finden sich immer wieder Fixpunkte, an denen man jede menge Freude haben wird.

Will Gregory und die nicht nur gesanglich schillernde Alison Goldfrapp bilden kein Duo, das man einfach genre-mäßig einordnen könnte. Waren sie beim hoch gelobten Debüt „Felt Mountain“ (2000) noch in TripHop-Regionen mit märchenhafter Ausstrahlung zu finden, setzten sie bereits auf dem Nachfolger „Black Cherry“ deutlich rauere Elemente ein, die sich kantig verzerrt dem Dancefloor widmeten. Das tat das letzte Werk „Supernature“ (2005) zwar auch, doch auf eine wesentlich glattere Art und Weise. Dieses betourte man ausgiebig, was in einer deutlichen Übersättigung der „Supernature“-Songs mündete, wie Will Gregory es in dem Presseinfo zum neuen Werk „Seventh Tree“ andeutet. Sie sehnten sich nach einem leeren Raum, der frei von Discokugeln ist und stattdessen nur den Klang einer Gitarre beheimatet. Etwas mehr Instrumente wurden es aber dennoch, wie zum Beispiel die Harfe von Ruth Wall oder das als Spielzeug entwickelte Optigon, welches die Möglichkeit bietet, Soundloops in diese Orgel einzubetten.

Der Opener „Clowns“ gibt mit seiner kammermusikalischen Ausrichtung und den zarten Gitarren-Pickings samt knisternder Streicher den beherrschenden Sound auf „Seventh Tree“ vor. Goldfrapp beschränken sich dabei auf eine fragile Instrumentierung, die auf den ersten Blick frei von elektronischen Zutaten ist. Über allem schwebt, so wunderbar engelsgleich wie im Opener, die Stimme Alison Goldfrapps, welche nichts von ihrer überwältigenden Bestimmtheit eingebüßt hat und doch kindlich spielerischer zu Werke geht. Psychedelische Loops ebnen sich bei „Little Bird“ in Verbindung mit Akustikgitarren und später auftauchenden Percussion-Attacken einen Weg, der völlig entrückt Hand in Hand mit dem nicht unwesentlichen Hall auf Alisons Stimme geht. Während sich der größte Teil des Albums in ruhigen, ätherischen Regionen befindet, laden Songs wie „Happiness“ oder „Caravan Girl“ zumindest zum Mitwippen ein. Von euphorischen Tanz-Bekenntnissen wie noch auf den beiden letzten Alben, ist auf „Seventh Tree“ nichts mehr zu merken.

Alles in allem setzt sich im Hause Goldfrapp die klassische Pop-Musik immer mehr durch, wie die leicht zugänglichen, manchmal etwas spannungslosen neuen Songs zeigen. Dabei steht die organische Instrumentierung deutlich mehr im Mittelpunkt. Obwohl elektronische Loops und Synthesizer-Sounds noch vorhanden sind, bedeutet auch das ein Zugeständnis an die Massentauglichkeit. Man muss sich keinen Song mehr erarbeiten wie auf dem stimmungsmäßig ähnlichen „Felt Mountain“, sondern befindet sich gleich im Inneren dieser zurückhaltenden Märchenwelt. Trotzdem sollte man nicht den Fehler machen und „Seventh Tree“ als allzu einfaches Werk abtun, denn in der offensichtlichen Schlichtheit finden sich immer wieder Fixpunkte, an denen man jede menge Freude haben wird.

Anspieltipps:

  • Little Bird
  • Eat Yourself
  • Some People
  • Cologne Cerrone Houdini

Neue Kritiken im Genre „Pop“
8/10

Sweet Sweet Silent
  • 2017    
Diskutiere über „Goldfrapp“
comments powered by Disqus