Veranda Music - Secret Scenes - Cover
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Veranda Music Secret Scenes


  • Label: Strange Ways/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

In der Zeit zwischen 1999 und 2002 brachten uns Veranda Music so manche Schönheit in Form von zeitlosen, feinfühligen und glänzend inszenierten Folk-Perlen, die sich auf drei Alben und einer EP wiederfanden. „Leblon“ (2000) war jedoch bereits das letzte, selbst geschriebene Werk, dem 2002 nur noch das Cover-Album „Look Of Joy“ folgte. Von vereinzelten Live-Auftritten einmal abgesehen, wurde es ruhig um die mittlerweile als Quartett fungierenden Veranda Music. Bassist Lars Precht war zuletzt bei Blumfeld aktiv und gab sich, genau wie Sänger/Gitarrist Nicolai von Schweder-Schreiner, der Arbeit im Theater hin, bis man im Sommer 2005 mit den Aufnahmen zu „Secret Scenes“ begann. Gemastert von Chris von Rautenkranz und von Thomas Maringer sowie der Band produziert, wird dem langen Warten auf neue Songs der bereits im Vorprogramm von Marianne Faithfull aufspielenden Formation ein grandioses Ende beschert.

Als ob man die acht Jahre seit „Leblon“ gebraucht hat, um Energie und einen freien Kopf zu bekommen, erklimmen die zehn Songs jede Hürde und erstrahlen im besten Nashville-Gewand, das nur wenige deutsche Bands so authentisch und berührend umsetzen. Sofort stechen im Opener „Soul Bends“ Akustik-Gitarren und das markante Bass-Spiel hervor, wobei sich der warme Gesang genau so eine erste Leidenschaft erarbeitet und zum Storytelling einlädt. Das beherrschen die Herren auch, denn ironische Zeilen über P. Diddy und Hühnchen konsumierende Chinesen bilden ein wundersam konträres Bild zum melancholischen, eher hintergründig agierenden Wohlklang. „Pockets“ wird gleich wieder von so einer herzerwärmenden Zeile eröffnet, die sich augenzwinkernd anschmiegt: „Your mouth is like Santa Claus, he brings precious things to me“

Zwischen wundervoll arrangierten Akustikgitarren, Streichern und rhythmisch bestechenden Percussions/Schlagzeug-Einsätzen, die sich träumerisch zu einer süchtig machenden Reise über weite, menschenleere Landschaften formen und vor allem im späteren Verlauf der Platte zur Höchstform auflaufen, kommen kantigere Parts gerade recht, die im Rock´n´Roll vorbeischauen, dabei aber stets in der Nähe zum Folk verweilen. Es ist vor allem die lockere Ausstrahlung, die diesen manchmal schwermütigen Songs den Rock-Faktor einhaucht und die Angelegenheit so geschmackvoll macht. Auf „Secret Scenes“ kommt trotz der Zartheit der Spaß nicht zu kurz, wie nicht nur die Texte klar machen. Die perlenden Gitarren und tief groovenden Bass-Lines von „Swimmingpool“ oder das mit positiver Energie dringlich swingende „Is It Okay“ (Zitat: „Flipfloping from left to right“) lassen keinen Liebhaber kreativer Folk-Ergüsse kalt und machen, eingebettet in der wahrlich großartigen zweiten Hälfte des Longplayers, deutlich, dass sich Veranda Music in bester Verfassung zurückmelden.

Anspieltipps:

  • My Love Get Up
  • Swimmingpool
  • Is It Okay
  • This Moth Is Coming

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