Adam Green - Sixes And Sevens - Cover
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Adam Green Sixes And Sevens


  • Label: Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Musikalisch scheint man von Adam Green nichts Neues mehr erwarten zu können.

Armer Adam. Erst will seine Plattenfirma über ein Jahr rein gar nichts von ihm wissen. Und nachdem er in der Zeit seines künstlerischen Exils Song über Song aus der Feder schüttelt, um dann schließlich mit einem 20 Tracks starken Album an der Labeleigenen Pforte zu klingeln, sagt man ihm die Platte sei zu lang und viel zu inhomogen. Aber Schließlich kann er seinen Willen durchsetzen und „Sixes & Sevens“ erblickt genauso wie er es verlangte das Licht der Musikindustrie.

Und so kann man sich in den kommenden knapp 50 Minuten davon überzeugen lassen, dass auch in großen Musikvertrieben Menschen ihrer Arbeit nachgehen, die eine gewisse Ahnung von dem haben was Sie tun. Unbestritten gehört Adam Green zu einer Hand voll auserlesenen Liedermachern, die mit immensem Kreativ-Potenzial gesegnet sind. Als er 2004 mit seiner zweiten Soloscheibe in der Post-Moldy-Peaches-Ära „Friends Of Mine“ auch den kommerziellen Durchbruch schafft, sind alle begeistert. Von dem jungen, intelligenten New Yorker, der in bestechender Art und Weise seine kleinen feinen Songs in ironisches Lyrikgewand und poppige Ohrwurmmelodien zu kleiden weiß. In der Folgezeit ebbt diese Begeisterung ein wenig ab, was auch daran liegen mag, dass Green beinahe jedes Jahr eine neue Platte auf den Markt bringt und damit wohl auch den gemeinen Hörer etwas überfordert. „Gemstones“ und „Pocket Full Of Danger“ können nur Ansatzweise an die spielerische Leichtigkeit ihres Vorgängers heranreichen und auch „Sixes & Sevens“ will nach mehrmaligem Durchlauf einfach nicht zünden.

Hier kommen nun wieder die von Beginn an eher skeptischen Plattenlabelverantwortlichen ins Spiel. Denn Sie hatten Recht! Etwas weniger hätte dem Album zweifelsohne gut gestanden. Und diese Aussage steht durchaus im proportionalen Verhältnis von Spiellänge und Songqualität. Wirklich gelungene und durchaus beeindruckende Lieder, wie das karibisches Flair in die Ohren pustende „Tropical Island“, das durch eine peppige Melodie und Stimmgewaltigen Gospelchor angetriebene „Cannot Get Sicker“, die erste Singleauskoppelung „Morning After Midnight“, oder der ruhige Höhepunkt der Platte „Homelife“ werden leider durch die hohe Anzahl an belanglosem Songmaterial entwertet. „That Sounds Like A Pony“, „Leaky Flask“ oder auch „Sticky Ricky“. Das geht ohne Großhirn-Zwischenstopp von einem Ohr ins andere und wieder hinaus- raus in die weite Welt des akustischen Vergessens. Viele Lieder plätschern einfach so vor sich hin. Hier ein bisschen Jazz, dort sogar mal eine Pan-Flöte. Musikalischer Facettenreichtum lebt eben nicht nur von der Aneinanderreihung eines instrumentellen Sammelsuriums.

Adam Green ist halt Adam Green. Seine Texte sind sarkastisch, ironisch und gewohnt intelligent zugleich. Aber musikalisch scheint man von ihm einfach nicht mehr Neues erwarten zu können. Da hilft der ansatzweise Bombast durch Bläser, Cellos und Gospeleinlagen auch nur bedingt weiter. Leider verdirbt die Vielzahl an Lückenfüllern den Hörspaß beträchtlich. Denn „Sixes & Sevens“ hätte auf seine Höhepunkte reduziert, ein wirklich wohltuendes Gesamtwerk sein können. So muss man sich wohl oder übel durch den Liederdschungel drücken oder einfach die besten Songs auf dem Lieblingsmedium seiner Wahl neu verewigen.

Anspieltipps:

  • Tropical Island
  • Cannot Get Sicker
  • Homelife
  • Be My Man

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