The Black Crowes - Warpaint - Cover
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The Black Crowes Warpaint


  • Label: Silver Arrow Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Viel zu lange waren The Black Crowes von der Bildfläche verschwunden. Ihr letztes Studioalbum „Lions“ datiert aus dem Jahr 2001 und stellt das letzte Lebenszeichen im Vertrieb eines Majorlabels dar (V2 Records/Universal), denn daraufhin trennten sich die Südstaaten-Rocker auf unbestimmte Zeit. Dennoch wurden die Fans weiterhin mit Material versorgt: Einem Live-Album aus dem Jahr 2002 folgten drei Solowerke von den Robinson-Brüdern Chris und Rich sowie eine Ansammlung von Studioüberbleibseln aus dem Jahr 2006 („The Lost Crowes“).

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die beiden Köpfe der Black Crowes bereits langsam wieder angenähert und ihre Streitigkeiten beigelegt. 2005/2006 gingen die Krähen in den USA wieder auf Tournee, u.a. im Vorprogramm von Tom Petty, wovon die ebenfalls im Jahr 2006 veröffentlichte DVD/Doppel-CD „Freak ’N’ Roll... Into The Fog” zeugt, die einen Auftritt im Fillmore West in San Francisco vom 06. August 2005 beinhaltet. Schon da verdichteten sich die Gerüchte, dass es ein neues Studioalbum von den Black Crowes geben würde – untermauert von gemeinsamen Auftritten der Robinsons unter dem Namen „Brothers Of A Feather“ im Jahr 2006, wovon auch ein Live-Album vorliegt („Live At The Roxy“, 2007).

2008 soll ganz im Zeichen des Black-Crowes-Comebacks stehen. Und dazu braucht die Band offenbar keinen Millionen Dollar schweren Plattenvertrag mehr. Denn nach über 20 Millionen verkaufter Alben gegen die Krähen zurück in den Independent-Bereich und veröffentlichen ihr siebtes Studioalbum „Warpaint“ auf dem bandeigenen Label Silver Arrow Records, das die weltweiten Rechte an verschiedene Label-Partner lizenziert (in Deutschland: INDIGO). Und nicht nur das. Die Black Crowes anno 2008 sind auch in einer komplett neuen Aufstellung unterwegs. Zu den Robinson-Brüdern gesellen sich jetzt Luther Dickinson (Gitarre), Adam MacDougall (Keyboards), Sven Pipien (Bass) und Steve Gorman (Drums). Teilzeit/Aushilfskrähe Paul Stacey hat das Album dagegen produziert und abgemischt, wie schon vorher für Oasis, The Kooks, KT Tunstall und die Noisettes.

Hoffentlich hat niemand ernsthaft daran geglaubt, dass die Black Crowes 18 Jahre nach ihrem Debüt auch nur einen Deut anders klingen. Das tun sich nämlich nicht – und das ist auch gut so! Deshalb gilt es nur die Frage zu klären, ob sich „Warpaint“ auf dem Niveau von „The Southern Harmony And Musical Companion“ (dem zweiten Album aus dem Jahr 1992) oder eher auf dem schwächeren Niveau des letzten Longplayers „Lions“ (2001) bewegt. Und die gute Nachricht lautet: Die Krähen haben es tatsächlich (noch) drauf! Zwar mit deutlich geringerem Wumms als in den Anfangstagen, dafür aber auch mit weniger progressiver Kiffer-Romantik ausgestattet, legt das Sextett elf Songs im bewährten Blues-, Soul-, Hard- und Southern-Rock-Korsett vor, die ihren Jam-Charakter nicht verbergen wollen und doch viel besser auf den Punkt kommen als zuletzt von den Krähen zu hören war („Movin’ on down the line“).

So ist die Freude groß über herrlich mahlenden und stampfenden Blues („God’s got it“, „Walk believer walk“), kernigen Rock’n’Roll („Goodbye daughters of the revolution“, „Evergreen“), gefühlvolle Balladen („Oh Josephine“) und sehnsüchtige Folksongs wie das grandiose „Locust street“. Einziger Schwachpunkt ist der balladeske Track „There’s gold in them hills“, der schlicht zu seicht ausgefallen ist und kurz vor dem Ende völlig unnötig die Luft aus dem prallen „Warpaint“-Ballon entweichen lässt. Diesen kleinen Fauxpas kann auch die finale Gospelnummer „Whoa mule“ nicht mehr aufholen. Dumm gelaufen... Nichtsdestotrotz ist „Warpaint“ das erhofft starke Comeback, das sich qualitativ in die Crowes-Alben der frühen 90er Jahre einreiht. Wer hätte das gedacht?

Anspieltipps:

  • Evergreen
  • God’s got it
  • Locust street
  • Wounded bird
  • Goodbye daughters of the revolution

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