Supergrass - Diamond Hoo Ha - Cover
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Supergrass Diamond Hoo Ha


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Fußballbegeisterte wissen was gemeint ist, wenn es heißt: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“: das Pokalfinale findet alljährlich dort statt und ist eins der größeren Ereignisse im Fußballkosmos. Die britische Band Supergrass nahm sich das Motto zu Herzen und sie begab sich in die legendären Berliner Hansa Studios, um den größten Teil ihres neuen Longplayers unter der Regie des Produzenten Nick Launay (Nick Cave, Midnight Oil, Silverchair) aufzunehmen.

Das letzte Werk „Road to Rouen“ glänzte durch musikalische Abwechslung und brachte selbst langjährige Fans zwar erst ins Grübeln, doch nach mehrmaligem Hören offenbarte sich die CD mit ihren frischen Ideen und Überraschungen, deren Vielfalt von den sanften Einflüssen der Beatles über komplizierte Rockopern bis zu witzigen Gute-Laune-Tracks reichte. Nun scheint wohl „back to the roots“ angesagt zu sein, denn den 70er Jahre Glamrockanteil hört man jetzt zahlreicher als beim Vorgänger und die Songs knüpfen stärker an die musikalische Ausrichtung von Supergrass in den 90er Jahren an.

Die erste Single „Diamond Hoo Ha Man“ gibt die Sporen: Es rockt ziemlich und der Glamrock lebt eindeutig noch. Erst mit „When I needed you“ wird es doch langsamer und eine durch Keyboards und Gitarre vorangetriebene Fastballade, die zeigt, dass Mister Coombes auch eine sanfte Stimmfarbe beherrscht, erfreut den Hörer. „The Return of Inspiration“ weist dann fast harmlose Züge auf, es klingt richtig eingängig, aber auch wenig aufregend. Der Mittelteil des Longplayers bietet keine wirklichen harten und aufsehenerregenden Tracks an, Supergrass bedienen sich am bekannten Fundus des Retrorock, dabei ist der Härtegrad zeitweise verblüffend gemäßigt. Erst mit „Whiskey & Green Tea“ wird das Tempo verschärft und mit ziemlich harten Gitarrenriffs rockige Stimmung verbreitet. Bei „Outside“ werden neben den obligatorischen Gitarren auch die Keyboards stark eingesetzt, die Töne klingen dabei mit Absicht ein wenig schief.

Mit weit weniger Haken und Ösen, aber nicht ohne einige musikalische Schlenker, zelebrieren Coombes und Co. ihre Musik. Die jugendliche Frische und Unbekümmertheit ist einer gepflegten Melancholie und routinierten Songwriterfähigkeit gewichen. Nicht das wir uns falsch verstehen: Supergrass können nicht nur immer noch richtig rocken, aber sie beherrschen mittlerweile auch gekonnt den sanfteren Ton. Sie machen keinen Hehl aus ihren musikalischen Vorbildern, ob David Bowie, The Beatles oder Rolling Stones, denn Ähnlichkeiten sind erwünscht und nicht rein zufällig. Trotzdem klingt das echt und sehr retro-modern.

Kann man den Schotten zu viel Eingängigkeit vorwerfen? Ein wenig schon, es bleibt der Eindruck, dass „Road to Rouen“ innovativer daherkam und eine Weiterentwicklung markierte. Dieser Silberling enthält keine schlechten Tracks, aber wirklich Herausragendes fehlt. Supergrass bewegen sich auf einem hohen Qualitätslevel, die Messlatte haben die drei schon sehr hoch gehängt und erreichen leider die Bestmarke des vor zwei Jahren erstellten Albums dabei nicht.

Anspieltipps:

  • Diamond Hoo Ha Man
  • When I Needed You
  • Whisky & Green Tea
  • Outside

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