Wolke - Teil 3 - Cover
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Wolke Teil 3


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Eigentlich ist „wolkenlos“ ja ein schönes Wort, weil es unweigerlich verbunden ist mit wohligem Gedankengut an schöne, unbeschwerte Tage. Wer sich nun aber in die Kleingruppe „Wolke“ und ihr Debüt „Susenky“, oder, was wahrscheinlicher ist, in ihr zauberschönes Zweitwerk „Möbelstück“ verliebt haben sollte, für den ist die wolke(n)lose Zeit keineswegs schön. Der Bedarf an melancholischen Melodien und klugen Worten lässt sich nämlich für Entdecker ihrer Musik nur schwerlich mit Vergleichbarem decken, weil Wolke irgendwie anders sind als der Rest. Oliver Minck und Benedikt Filleböck setzen klassischen Instrumenten (Klavier, Saxophon) zahlreiche maschinelle Klangerzeuger und Synthesizerflächen entgegen und erzeugen so harmonische Wohlklänge mit manchmal irritierenden Zwischentönen.

Was auch immer nun jedoch (im Vergleich zu den vergangenen Werken deutlich formgebender) im Hintergrund einer Komposition wabern mag, es dient meist durchaus der Sache, nämlich dem Transport der Worte in die entsprechende Stimmung. Die ist nicht selten arg bedrückend, wie in jenem Moment, in dem Minck auf seine Frage „Wo soll ich mit meiner Liebe hin?“ keine Antwort erhält und mit der vermeintlich einzig möglichen Lösung für diesen tragischen Umstand aufwartet: Ich will, dass die Welt jetzt untergeht!“ Derart existenziell begegnen Wolke nicht all ihren Schwierigkeiten, weshalb der deprimierenden Feststellung des Nichtseins („Vergessen“) und dem keineswegs euphorisch gemeinten „Hurra“ auf die Möglichkeit der Selbstverleugnung ein wirklich guter Plan von der Reduktion auf das Wesentliche folgt: „Wir machen einfach gar nichts/ Gar nichts wird das Beste sein“ beschließt der müde Poet und überlässt es konsequent dem Saxophon, die Alleinverantwortung für das furiose Finale eines ergreifenden Liedes zu tragen.

Mit diesem so einfachen wie wirkungsvollen Plan hält ein unerwarteter Optimismus Einzug in den Wolke-Kosmos, der selbst der düsteren Erfahrung des Verlassenwerdens mit poetischer Eleganz zu trotzen vermag: „Doch die Sonne scheint hell/ Und sie hüllt meine Existenz in ein goldenes Licht/ Sie verbrennt alles Dunkle/ Verscheucht alles Üble und lässt keine Spuren zurück“ dichtet Minck, dem plötzlich keine Gründe zum Unglücklichsein mehr einfallen wollen. Stattdessen stellt er selbstzufrieden und mit schicksalsergebener Leichtigkeit fest: „Im Grossen Ganzen bin ich eigentlich ganz froh/ Ich lass das Klagen/ Na dann ist es eben so!“ So viel Zuversicht ist selten, gehört es doch eigentlich zum guten Ton eines jeden Liedermachers, stets am Sinn des Seins zu zweifeln. Selbst der alte Stadionhopser „Jump“ von Van Halen ist übrigens eigentlich ein sehr trauriges Lied. Den Text haben Wolke nicht nur übersetzt, sondern ihm auch gleich noch ein stimmiges Klanggewand verpasst. Dass Minck und Filleböck tatsächlich mit der Welt im Reinen sind, offenbaren sie zum guten Ende noch einmal mit dem Eingeständnis, dass es ein durchaus tauglicher Lösungsweg sein kann, einfach aufzugeben wenn nichts mehr geht.

Ein Weg allerdings, den Wolke nicht werden gehen müssen, denn „Teil 3“ ist der eindrucksvolle Nachweis, dass bei ihnen noch einiges geht. Irgendwo zwischen Resignation und Hoffnung haben die Herren sich in die erste Reihe des virtuosen Kopfkinos gesetzt. Fortsetzung folgt!

Anspieltipps:

  • Wo Soll Ich Mit Meiner Liebe Hin
  • Ein Guter Plan
  • Gründe Zum Unglücklichsein
  • Spring
  • Gib Auf

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