Jason Collett - Here´s To Being Here - Cover
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Jason Collett Here´s To Being Here


  • Label: Arts & Craft/ALIVE
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus der umtriebigen wie ineinander verzweigten Indie-Szene in Toronto kommt auch der dreifache Vater Jason Collett, dessen Gespür für erdige Folk-Arrangements bereits vor seinem Wechsel zur Arts & Crafts-Familie in 2003 um sich greifte und auf über ein Jahrzehnt an Beständigkeit zurückblicken kann. Dabei verfeinerte er seinen schlanken, aber nicht sinnlos abgemagerten Sound, wuchs mit dem Bekanntheitsgrad der kanadischen Musiker-Gemeinde und lässt nun den Nachfolger zum mit guter Kritik bedachten „Idols Of Exile“ (2005) in die Läden wandern. Natürlich fanden sich zum Aufnahmeprozess von „Here´s To Being Here“ wieder Freunde ein, wie der Produzent Howie Beck, Liam O´Neil von den Stills, Kevin Drew (Broken Social Scene), Mitglieder von Apostle Of Hustle und andere, die die authentischen Erzählungen von Collett auf wundervoll staubige Art und Weise mit feinem Gespür untermalen. So holt man aus vermeintlich nüchternen Singer/Songwriter-Standards spannende Momente heraus, welche man sich noch ausführlicher gewünscht hätte.

Und nein, es ist nicht Tom Petty, der diesem Album seine Stimme leiht. Jason Collett thront mit seinem abgehangenen Organ über dem mit großartigen Gitarren-Pickings verzierten Eröffnungsstück „Roll On Oblivion“ und lässt sogar am Rande Synthesizer in den folkigen Kontext einfließen, die die etwas eingestaubte Country-Lässigkeit zum Glück leicht aufrüttelt. Besser, weil deutlich befreiender und eigenständiger, sind da schon die Stücke, welche im Rock´n´Roll vorbeischauen und wie bei „Papercut Hearts“ eine gute Mischung darstellen, die sich im Ohr sehr wohl fühlt. So auch beim schön ausufernden E-Gitarren-Solo in „Henry´s Song“ oder der rhythmisch entzückende Percussion-Alarm bei „Charlyn, Angel Of Kensington“, wo neben Folk auch Ska geatmet wird und die Congas für jede Menge Genuss sorgen.

Solche Momente heben definitiv die Gesamtwertung von „Here´s To Being Here“, auf dem die großen Vorbilder wie Tom Petty und Bob Dylan penibel angepeilt werden, dafür aber an fehlender Eigenwilligkeit scheitert, die oft angedeutet und in einigen Passagen schmerzlich vermisst wird. Da hätte definitiv mehr gehen können, wie Jason Collett und seine Mitstreiter immer wieder durchscheinen lassen. So ist es ein Album, das die Verfechter der Arts & Crafts-Familie blind kaufen werden, alle anderen aber zu Vorsicht mahnt. Wenn man die überbordende Spielfreude anderer Label-Künstler vor Auge bzw. im Ohr hat, ist dieses Solo-Album doch eher mau.

Anspieltipps:

  • Papercut Hearts
  • Henry´s Song
  • Charlyn, Angel Of Kensington
  • Nothing To Lose

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