Armor For Sleep - Smile For Them - Cover
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Armor For Sleep Smile For Them


  • Label: Sire/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Fast halbvoll oder doch halbleer? Das auf Hochglanz polierte Bewertungsglas wurde soeben mit einer frisch geöffneten 2008er Flasche „Armor For Sleep“ angefüllt und es ist nun sorgfältig zu beobachten, ob diese Emo-Pop-Rock-Mixtur uns wie auf dem Etikett angekündigt ein Lächeln aufs Gesicht zaubert oder ob es sich hierbei um einen massenkompatiblen Ohr- und Schädeldreher handelt.

Dass die Mannen um Leadsänger Ben Jorgensen mit ihrem neuen Album nun den ersten Major-Vertrag in der Tasche haben, kommt nicht von ungefähr. Im Jahre 2003 feierten Armor For Sleep mit ihrem Erstlingswerk „Dream To Make Believe“ ein äußerst ambitioniertes und beeindruckendes Debüt. Aber es ist nun mal kein Geheimnis, dass auch die in höchsten Tönen gelobte Platte, kein Bier in den Tourbus zaubert, wenn sie als Staubfänger in den Plattenläden dieser Welt, ein einsames Dasein irgendwo zwischen Aqua und den A-Teens fristen muss. Also besorgt man sich einen „Szene“ erfahrenen Manager, klopft bei MTV, VH1 und all den anderen heutzutage unverzichtbaren Distributionsspezialisten an, und versucht denselben Kurs einzuschlagen wie die erfolgreiche(re)n Kollegen, die Tag täglich über den Bildschirm flimmern und aus dem Radio tönen. Ob das so oder ähnlich auch hier abgelaufen ist, kann man nur vermuten. Feststeht: Auch bei „Smile For Them“ ist der Teufel ein Eichhörnchen!

So kann man sich die ersten knapp 12 Minuten der Platte getrost schenken und diese unmotivierte Ohrgang-Durchspülung ohne weiteres „hinweg-skippen“. Hebt sich die Musik der Band in früheren Tagen noch erfreulicherweise von dem stets gleich klingenden Emo-Allerlei ab, so sind Armor For Sleep nun schein- und hörbar auch in die vom Kommerz betriebenen Zahnräder der Musikindustrie geraten. Die individuelle Note ist so gut wie dahin und man kann bei einigen Songs kaum noch unterscheiden, um welche Band es sich da gerade handelt. Ungeachtet der auffallend starken musikalischen Ähnlichkeit zu Kapellen, wie Simple Plan, Fall Out Boy oder Yellowcard haben die vier dann aber scheinbar doch noch ein paar eigene Ideen ins Tonstudio hineinschmuggeln können. Dies lässt sich an den mit Abstand stärksten Nummern des Albums erahnen. Das in einem Hymnenhaften Chorus ausbrechende und in eine futuristisch Bassgetränkte Atmosphäre getauchte „Hold The Door” und das mit schiefen Gitarren und Paukenschlagendem Parade-Flair ausgestattete „Snow Globe”. Melodiestrategisch souverän produzierte Stücke wie “Lullaby” oder „My Saving Grace” sind zwar mit nettem Sing-A-Long-Chorus bestückt und auch gerade deshalb in höchstem Maße Radiotauglich. Um sich aber langfristig ins Trommelfell zu meißeln, fehlt den beinahe harmlosen Songs eindeutig der Biss.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Am Ende ist „Smile For Them“ vielleicht sogar einen Schluck besser als reines Mittelmaß. Das liegt auch daran, dass man weiß zu was die Jungs eigentlich im Stande sind und man die Hoffnung hat, dass die teilweise aufblinkende rockige Marschrute in Zukunft nicht einem fett durchproduziertem und massenkompatiblem Strategieplan zum Opfer fällt. Dann verwandelt sich das schmale Lächeln auch bestimmt wieder in ein breites Grinsen.

Anspieltipps:

  • Hold The Door
  • Snow Globe
  • My Saving Grace

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