The Reason - Things Couldn´t Be Better - Cover
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The Reason Things Couldn´t Be Better


  • Label: Smallman Records/ALIVE
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wellenreiter. Obwohl die ganz große Euphorie der so genannten Screamo-Gattung hierzulande so langsam abzuebben scheint, lassen es sich die fünf Kanadier von The Reason nicht nehmen, weiterhin wagemutig darauf herumzusurfen. Gut so! Denn das Ergebnis lässt sich durchaus hören. Und da man Ihre neue Marschrichtung wohl eher als melodische Pop/Rockmusik mit Screamo-Anleihen definieren kann, haben sie im Vergleich mit Kapellen ähnlicher musikalischer Direktion, einen wesentlich weiter gefassten kreativen Radius am Start und musizieren selbstbewusst auch über den eigentlich sonst begrenzten Genre-Tellerrand hinaus.

Mit über einem Jahr Verspätung erscheint der Nachfolger ihres zumindest in Kanada hoch gelobten Debütalbums „Ravenna“ aus dem Jahr 2004 nun endlich auch bei uns. Zusammen mit Produzent Gavin Brown (siehe Billy Talent) machten sich die Nordamerikaner an die Arbeit zu den Aufnahmen von „Things Couldn’t Be Better“. Das Ergebnis war eine, wieder mal zunächst nur in Kanada höchst erfolgreiche Mischung aus stimmigen Pop-Melodien, krachenden Gitarren und melodisch-wütenden Vocals. Die Erkenntnis, dass die Band um Frontmann Adam White ihren in Europa wesentlich erfolgreicheren kanadischen Kollegen (siehe erneut Billy Talent) das Wasser reichen kann, sollte nun spätestens mit dieser Veröffentlichung endlich auch bei uns angespült werden.

In der Kürze liegt die Würze! Auch in Übersee und auch bei „My Broken Legs“. So beginnt nämlich der gerade mal einminütige und locker verspielte Auftakt von „Things Couldn’t Be Better“. Mit akustischer Gitarre und einer flotten Melodie lässt sich gleich zu Beginn die Wahl ihres Albumtitels mit einem zustimmenden Nicken nachvollziehen. Die darauf folgenden Songs, das sich eingängig und schmissig ans Ohr hängende „This Is Just The Beginning“, sowie der rockig treibenden Haudrauf-Klon (und schon wieder Billy Talent) „All I Ever Wanted“ bestätigen dann auch zunächst den ersten positiven Eindruck. Das manches dann doch ein bisschen besser hätte gemacht werden können, wird dann aber im Laufe der insgesamt knapp 40 Minuten an den vereinzelt auftauchenden Füller-Songs hörbar.

„Is It Just Me“ oder „This Is Where We Must Go It Alone“ sind unspektakuläre und gezielt auf Nummer Sicher getrimmte Stücke, die ebenso wie das viel zu langatmige und dabei seinem Namen 100% gerecht werdende „This Is Taking Forever“ wenig Glanz versprühen. Ganz im Gegensatz zu dem im ruhigeren Fahrwasser souverän und angenehm schippernden „Unquestionable“, oder auch dem mit düster-knalligen Riffs daherkommenden „If My Tongue Could Talk“. Auch das herrlich kitschige (durchaus im positiven Sinn) Duett von White mit Sara Quin von Teagan & Sara auf „We’re Beyond This“ belegt den neu gewonnen Facettenreichtum von The Reason. Ein fröhlich-poppiger Song im bekannten Mädchen/Junge-Vocal Stil. „Reset The Breaker“ beendet dieses wirklich gute Album. Und wie so oft, wurde auch hier das Beste für den Schluss aufgehoben. Zunächst akustisch balladesk einsteigend, spiralisiert sich das Stück in einen wahren rausch aus Getöse und Gitarrensalven.

Die Plattenfirma bezeichnet das Gesamtprodukt als zündend melodischen Hardcore-Indie–Pop. Und trotz dieser ziemlich aufgesetzt wirkenden Titulierung liegen sie damit gar nicht mal so verkehrt. „Most Things Couldn’t Be Better“ wäre wahrscheinlich der geeignete Titel gewesen. Dennoch werden alle Freunde melodiöser Rockmusik hier auf Ihre Kosten kommen und die Skeptiker werden überrascht sein, dass man Musik dieses Genres auch einmal länger als 15 Minuten am Stück anhören kann, ohne sich gleich eine Nerven beruhigende Tasse grünen Tee aufsetzten zu müssen. Dieses Album gehört zweifelsohne zu den besseren seines Faches und The Reason machen deutlich, dass es auch ohne gravierenden Qualitätsverlust möglich ist, den Balanceakt zwischen Rockmusik und Radiotauglichkeit zu meistern.

Anspieltipps:

  • This Is Just The Beginning
  • All I Ever Wanted
  • We’re Beyond This
  • Reset The Breaker

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