Teitur - The Singer - Cover
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Teitur The Singer


  • Label: Arlo & Betty Recordings
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit seinem bislang vierten Album „The singer“ beschreitet der von den Faröer Inseln stammende Teitur Lassen seinen Weg als Singer/Songwriter noch drastischer und radikaler in der Umsetzung, in etwa zu vergleichen mit der wunderbaren Coverversion „Great balls of fire“, die durch ihre minimalistische Aufmachung und umso höhere Strahlkraft niemanden, der sein drittes Werk „Stay under the stars“ (09/2006) in die Finger bekam, losgelassen hat. Mit anderen Worten konzentriert sich der 31jährige in den elf Stücken hauptsächlich auf die Wirkung der Texte und ihre gegengleiche musikalische Darbietung, was bedeutet, dass er die Songs auf das Wesentliche reduzieren hat lassen.

Waren die ganz ruhigen Nummern auf dem Vorgänger noch Mangelware, so ist es hier nun genau umgekehrt. Teitur verlässt sich völlig auf seine Stimme, die mit spärlicher Instrumentierung untermalt wird und punktet damit auf ganzer Linie, da „The singer“ dadurch noch eindringlicher und faszinierender wirkt als seine vorangegangenen Alben. Gleich im titelgebenden Opener begleitet den Hörer fast ausschließlich das Organ Lassens, der von sich selber und dem Umgang mit seiner Berufung als Sänger erzählt. In „Girl I don´t know” offenbart der Fähringer sein Gespür für punktgenauen Einsatz des stets vorhandenen Mini-Orchesters, das nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel von sich preisgibt um immer wieder der anmutigen Stimme Teiturs Platz zu machen.

„We still drink the same water“ bleibt z.B. beinahe komplett stehen, bis eine Salve Bläser, Piano und Streicher in die Stille hereinbrechen um wieder eine Pause zu setzen, damit sich Lassen zu einem wunderbaren Refrain aufschwingen kann, der jedoch immer wieder von Melancholie befallen wird, sodass man den Sänger in seiner Verzweiflung nur noch umarmen will. Einzig und allein „Catherine the waitress“ und „Start wasting my time“ bilden beschwingte, fröhliche und gut gelaunte Gegenmodelle zur wehmütigen Elegie des sonstigen Songmaterials um die Stimmung in einem der darauffolgenden Stücke zu verstärken. „Legendary afterparty“ ist so ein Schlag in die Magengrube und erzählt von einer Begegnung von Teitur mit dem Blues Musiker Chris Whitley, bevor dieser an Krebs verstarb, in einer bedrückend inszenierten Art und Weise.

In „Guilty by association“ überspannt der Songwriter jedoch etwas den Bogen, da der gelegentlich einsetzende tiefe Kontrabass den Song nicht nur in tiefschwarze Depression versinken lässt, sondern ihn dadurch auch beinahe in derselben Schwermut ertränkt. Da gefällt „Don´t let me fall in love with you“ schon wesentlich besser, in dem ein kurz angeschlagenes Drumkit und gezupfte Streicher das Klangbild wie aufblitzende Sterne illustrieren und zusammen mit Teiturs Stimme eine einzigartige Ballade formen. Als Abschluss wartet Lassen erneut mit geschwärzten Streichern auf, die gelassen und unaffektiert ihren Beitrag zum Text liefern.

Nach dem Genuss von „The singer“ könnte man fast meinen, der Fähringer hätte auf seinem vierten Album eine theatralische Aufführung seiner alten Songs mit neuem Text, spärlicher Instrumentierung und viel mehr Dramatik dargeboten. Stattdessen hat er einfach seine musikalischen Ergüsse konzentriert und sie dadurch noch eindrucksvoller und nachhaltiger gestaltet. Somit bleibt er zu Recht der bekannteste Musiker der Faröer Inseln.

Anspieltipps:

  • The Girl I Don´t Know
  • We Still Drink The Same Water
  • Don´t Let Me Fall In Love With You

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