Madsen - Frieden Im Krieg - Cover
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Madsen Frieden Im Krieg


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

So zwiespältig wie der Titel ihres dritten Werkes ist auch der Eindruck, den „Frieden im Krieg“ hinterlässt.

„Wer gewinnen will muss auch mal verlieren!“ Klingt gut! Nach Mut und so. Ist eine Textzeile aus „Ja Oder Nein“, dass den Frieden im Krieg eröffnen darf, den Madsen hier zu führen gedenken. Und vielleicht ein Versprechen, dass hier einmal etwas gewagt wird. Denn ein wenig Veränderung steht einer Gruppe hoffnungsvoller Musiker ja recht gut, wenn ihr Erstling so schlicht eingängig und euphorisch war, dass sich der Nachfolger ungescholten in der weitgehend fehlerfreien, lediglich um einige Streicher erweiterten Bestätigung des Geleisteten genügen durfte. Da wird’s nun Zeit, musikalische Entwicklung zu dokumentieren, wie auch immer. Madsen sind sich dessen bewusst, tauschen ihren Produzenten aus und erweitern ihr Repertoire um Bläser, Dreivierteltakt und schmerzhaft konkrete Texte.

Olaf Opal (verantwortlich unter anderem für die kommerziell „Geile Zeit“ der Deutschpopper von Juli) lässt das Erfolgsprinzip „Laut – Lauter - Madsen“ zwar weitestgehend unangetastet, doch „Krieg im Frieden“ wirkt deutlich kalkulierter als seine Vorgänger. Madsen gibt’s jetzt nämlich auch in gefühlvoll! Schade nur, dass diese Emotionserweiterung die Gegebenheit ignoriert, dass Sebastian Madsen stimmlich nicht in der Lage ist, einen Titel ohne Schlagzeugexplosion und Gitarrenlärm zu tragen, weshalb die Traurigkeit, die Songs wie „Vollidiot“ und „Astronaut“ tatsächlich auszulösen vermögen, nicht jene ist, die der Texter & Sänger hier eigentlich zu vermitteln gedachte.

Die gelungeneren Komposition der aktuellen Platte („Ja oder Nein“, „Nachtbaden“, „Verschwende dich nicht“) zeugen immerhin vom Bestand der ureigenen Fähigkeit der Jungs, ohne Umwege zur Sache zu kommen. Originell klingt da zwar nichts mehr, Freude macht’s trotzdem. Keineswegs erfreulich sind hingegen die Texte, deren Aussagen ungefähr so tiefgründig sind, wie ein Bachlauf in der Dürrezeit. „Du bist wie Du bist“ konterkariert seine Botschaft (für jene, die angesichts der Subtilität des Titels noch rätseln: Hier geht’s um die „Einzigartigkeit“ des Individuums) mit der uninspirierten Aufzählung sämtlicher Plattitüden, die in diesem Zusammenhang irgendwie greifbar sind. „Grausam und Schön“ beeindruckt mit der erstaunlichen Feststellung, dass auf den Regen Sonnenschein folgt und „Verschwende dich nicht“ setzt die Lebensberatung für sinnsuchende Pubertäter mit der wertvollen Empfehlung fort, sich nicht an heißer Luft und schlechter Energie zu verbrennen. Erreicht diese Botschaft die Hörer tatsächlich, dürfte es für die genannten Songs keinen zweiten Durchlauf mehr geben.

So zwiespältig wie der Titel ihres dritten Werkes ist deshalb auch der Eindruck, den „Frieden im Krieg“ hinterlässt. So viel ist sicher: Wäre dies ihr Debüt gewesen, wären Madsen für die Vielzahl der verbalen Fehltritte in Grund und Boden geschrieben worden. Doch weil man die Jungs mittlerweile irgendwie lieb gewonnen hat, muss der Hinweis ausreichen, dass der Bonus für Authentizität und Niedlichkeit nun wirklich aufgebraucht ist und es Zeit wird für ein Album, das tatsächlich einmal durchgehend zu überzeugen vermag!

Anspieltipps:

  • Ja Oder Nein
  • Nachtbaden
  • Verschwende Dich Nicht

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