Senore Matze Rossi - Und Wie Geht Es Deinen Dämonen - Cover
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Senore Matze Rossi Und Wie Geht Es Deinen Dämonen


  • Label: Broken Silence
  • Laufzeit: 51 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht selten passiert es, dass nach der Auflösung einer Band einzelne Musiker Soloprojekte starten. Und mindestens genauso oft kommt es vor, dass diese sowohl qualitativ, als auch erfolgsmäßig der alten Band hinterherhinken. Matthias Nürnberger, welcher sich für sein Soloprojekt den Namen „Senore Matze Rossi“ verpasst hat, stammt aus der im Subkult bekannten Punk-Popband Tagtraum. Schon 2004 veröffentlichte er seine erste Soloplatte, welche im Gegensatz zu seiner damaligen Hauptband fast ausschließlich aus ruhigen Gitarren- und Gesangsläufen bestand. Zwei Jahre später wurde direkt nach der Auflösung von „Tagtraum“ Album Nummer zwei veröffentlicht. Nun erscheint das dritte Werk „Und wie geht es deinen Dämonen“, diesmal allerdings unter der Mithilfe einer Backing-Band, was der musikalischen Vielfalt sehr zu Gute kommt.

Den Punk-Klängen von damals sind ruhigere Pop- und Rocksongs mit Indie-Charakter gewichen, textlich bewegt sich Nürnberger allerdings in ähnlichen Gefilden. Oft geht es um Probleme des alltäglichen Lebens, wie beispielsweise im Opener „Ich: Idiot auf meinem Hügel“, in welchem er mit sanft säuselnder Stimme die Bedeutsamkeit darlegt, im Leben hin und wieder das Tempo zu reduzieren, um den Moment besser wahrnehmen zu können. „Hallo Stadt“ schlägt eine härtere Gangart an, vor allem stimmlich wirkt es wesentlich aggressiver, was sich aber in keiner Weise negativ anfühlt. Der Titel setzt sich mit Problemen des urbanen Lebens auseinander. Würde man statt Nürnbergers Organ eine Frauenstimme hören, könnte man hier eine „Wir sind Helden“-Scheibe im Player vermuten.

Ein Problem der Platte ist, dass manche Passagen unpassend, weil ungereimt, wirken. Wieso muss beispielsweise „Beste Waffe“ genau an der wichtigen Hauptaussage des Songs reimfrei bleiben? Damit sie sich besser einprägt, wohl eher nicht, denn gerade die Reimstruktur hilft für einen wesentlich schnelleren Weg durch den Gehörgang ins Gedächtnis. Auch sorgen Titel wie „Dein Freund und dein bester Feind“ nach der Hälfte aufgrund von sehr wenigen musikalischen Variationen für Desinteresse. Den absoluten Tiefpunkt bildet „Unverwundbar“. Das Intro ist nahezu identisch mit dem Mainriff des „Queens Of The Stone Age“-Klassikers „No one knows“, auch sonst hat der Song nichts Erwähnenswertes zu bieten.

Aber es geht auch wesentlich besser: „Nichts ist verloren“ bietet viel Abwechslung, der Verzerrer wird endlich mal wieder richtig aufgedreht und eine Frauenstimme kommt auch zum Einsatz. Warum nicht immer so?! Viele Titel erinnern in ihren Strukturen und Klängen an Indie-Größen wie The Strokes. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Riff in „Illusion der Kontrolle“, welches jeden Fan der Musikrichtung erfreuen sollte. Was zurückbleibt ist ein gemischter Eindruck. Senore Matze Rossi’s drittes Werk zeigt auf alle Fälle in die richtige Richtung, aber es gibt noch genügend Baustellen. Manche Songs wirken einfach lieblos zusammengesetzt. Vielleicht sollte er sich bei der nächsten Scheibe zum Einspielen etwas mehr als nur 28 Tage Zeit nehmen. Trotz allem ist keines der Probleme so eklatant, dass es nicht in Zukunft behoben werden könnte. Reinhören lohnt sich für Indie-Fans definitiv!

Anspieltipps:

  • Ich: Idiot auf meinem Hügel
  • Hallo Stadt
  • Nichts ist verloren
  • Alles oder Nichts

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