Ghost Of Tom Joad - No Sleep Until Ostkreuz - Cover
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Ghost Of Tom Joad No Sleep Until Ostkreuz


  • Label: Richard Mohlmann Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Als deutsche Nachwuchs-Indie-Rockband hat man es derzeit nicht leicht. Kaum schafft man nach harten Jahren endlich den nächsten Schritt, kommt auch schon eine Band wie The Kilians und setzt die Messlatte für das eigene Debütalbum dermaßen hoch, dass man schon vorher kapitulieren möchte. Trotzdem gibt es aktuell ein paar Bands, die den Kampf gegen das scheinbar übermächtige „Kill The Kilians“ aufnehmen wollen.
Unter dem Namen Ghost Of Tom Joad wollen Henrik Roger (Gitarre/Gesang), Jens Mehring (Bass/Gesang) und Christoph Schneider (Schlagzeug/Gesang) ein Stück vom deutschen Rockkuchen abhaben. Als einer der größten Konkurrenten für The Kilians bringen sie in ihrem Debütalbum „No Sleep Until Ostkreuz“ eine nette Mischung aus hauptsächlich Uptempo-Nummern, mit eingängigen Gitarrenriffs und scheppernden Drums auf den Markt. Nach eigenen Angaben beschreiben die Drei ihre Musik so: „Klingt irgendwie britisch, wird Deine Freundin sagen. Wir sagen frühe Dischord und auch Düsseldorf oder Berlin in den 80ern, nur mit mehr Soul. Stell dir vor Ellioth Smith, Marvin Gaye und Ian Mac Kaye hätten die Einstürzenden Neubauten gegründet.“ Soviel dazu.
Durch einige Supportacts motiviert, für Namen wie Muff Potter, Tomte, Maximo Park oder Jupiter Jones, liefern sie auf „No Sleep Until Ostkreuz“ 12 Songs und ein Intro, welches sich anhört wie von „The Prayer“ (Bloc Party) inspiriert. Dabei fallen vor allem die fehlende Abwechslung und die streckenweise dünn wirkenden Gesangsstimmen auf. Elf der zwölf Songs unterscheiden sich dabei, sowohl instrumental als auch aufbautechnisch, relativ wenig von einander. Das sind aber auch schon die Hauptkritikpunkte, die man Ghost Of Tom Joad vorwerfen kann. Ansonsten bekommt man mit „No Sleep Until Ostkreuz“ ein solides, rockiges und angenehm unbekümmertes Album auf den Tisch, das Feinschmecker allerdings möglicherweise als nicht exquisit genug empfinden werden. Der gemeine Musikjunkie dagegen bekommt zu seiner Mahlzeit auch noch den Drang sich zu bewegen gratis dazu.
Nach einem vertrauten Clap/Bassdrum-Intro wird man nach einem stilgerechten und fließenden Übergang zu einer der besten Nummern willkommen geheißen. „Renegades Of Love“ überzeugt im Chorus mehr als es im Verse vermissen lässt. Dies zieht sich übrigens durch das ganze Album. Am Chorus scheinen Ghost Of Tom Joad prinzipiell irgendwie mehr Spaß zu haben als an Versen. „Köln - Brüssel – Paris“ reiht sich da genauso fein säuberlich in die Kette ein, wie auch „The Ending“, „Survivre n’est pas vivre“ oder „I’ll be there“. Nein, keiner der 12 Songs ist als schlecht einzustufen, leider aber auch keiner in höheren Kategorien.
Was dem Album neben der Abwechslung und den teils dünnen Stimmen fehlt, ist oft die letzte Konsequenz in Ausdruck und Power. „Unterwegs“, „Stop My Head“ und „Is this what you call a Fronterlebnis“ plätschern dabei nett, ohne zu stören, durch die Playlist und lassen am Ende weniger zurück als sie es sollten. Diese Tatsache ist schade, denn Ghost Of Tom Joad lassen vereinzelt sehr wohl aufblitzen, dass sie noch viel Platz nach oben haben.
Einzig „Hell is other people“ zeigt mit ganz wenigen Mitteln, als einziger ruhiger Song, sehr viel Charakter. Das lässt für die Zukunft letztendlich doch sehr wohl hoffen, dass Ghost Of Tom Joad früher oder später so gut werden, wie sie von Dennis Scheider (Muff Potter) beschrieben werden : „Wenn ich Leute euphorisch von dieser „neuen und großartigen Band“ vorschwärme und sie damit stundenlang behellige, dann ist mir das auch am nächsten Tag nicht peinlich.“ Auf dass The Kilians bald die Konkurrenz bekommen die sie verdienen.

Anspieltipps:

  • Renegades Of Love
  • The Ending
  • Survivre n’est pas vivre

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