Rage - Carved In Stone - Cover
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Rage Carved In Stone


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht selten passiert es, dass beim Ausstieg einzelner Mitglieder eine gesamte Band zerbricht und zu einem weiteren Kapitel Musikgeschichte avanciert. Sänger, Bassist, kreativer Mastermind und zugleich einzig verbliebenes Urmitglied Peter „Peavy“ Wagner der deutschen Metalband Rage musste viel dergleichen verkraften. Wie ein Wunder wirkt es, dass er es mit seinem unbändigen Willen trotz über zehn Besetzungswechsel immer wieder geschafft hat, sich aufzuraffen und sein Projekt seit nunmehr 24 Jahren am Leben zu halten. Und dabei gab es eigentlich kaum einen wirklichen Ausfall zu verbuchen. Im Gegenteil, Rage war die vermutlich erste Metalband, die es wagte, ein komplettes Album mit orchestraler Unterstützung zu veröffentlichen.

„Lingua Mortis“ (1996) zeigte eindrucksvoll, wie gut sich Klassik und Metal miteinander verbinden lassen und es scheint unter dem Aspekt nicht ganz zufällig, dass Metallica zwei Jahre später „S&M“ veröffentlichten. Rage waren es auch, die Sky du Mont 2001 bei seinem ersten Auftritt im erfolgreichsten deutschen Film „Schuh des Manitu“ begleiteten. Nachdem beim letzten Werk „Speak of the death“ zum dritten Mal in ihrer Geschichte dem Orchester der Vorzug gegeben wurde, geht es auf dem neuesten Werk zurück zu den Thrash-Wurzeln der Jungs. Sicherlich spielt für das Wiedergewinnen der schnelleren Gangart auch die Aufnahme von Schlagzeuger Andre Hilgers eine nicht ganz unmaßgebliche Rolle.

„Carved in stone“ beginnt mit einem orchestralen Intro, nach einer Minute aber setzt das Schlagzeug ein und ein Gitarrenbrett gibt sich dem Hörer hin. Die Doublebase, welche für viel Freunde und Abwechslung sorgt, ist nicht nur in diesem Lied ein gern gesehener Gast. „Drop Dead“ gibt gleich von Beginn an mächtig Gas und erinnert stark an Motörhead, nur das Outro hätte man besser hinbekommen können. Das Tempo reißt auch mit dem dritten Stück nicht ab und bietet zudem noch ein sehr ungewöhnliches, orientalisch klingendes, Gitarrensolo. Dabei bleibt, wie auch bei den ersten beiden Titeln, ein seichter Refrain zum Verschnaufen. „Open my grave“ greift den orientalischen Flair im Intro nochmals auf, anschließend gibt sich dem Hörer ein Uptemposong hin, der im Refrain durchaus an Iron Maiden erinnert und darüber hinaus ein durch wunderschöne 12-Saiterklänge eigeleitetes Gitarrensolo enthält.

„Without you“ heißt die einzige Ballade des Albums, in der allerdings, sobald der Verzerrer wieder einsetzt, viel zu viele sogenannte „pinch Harmonics“ (einzelne hohe quietschende Gitarrentöne) verwendet werden, die dem Charme des ruhigeren Stücks doch deutlich entgegenwirken. Diese werden auf dem ganzen Album schon fast inflationär eingesetzt, doch nirgendwo stechen sie so negativ heraus wie hier. Nach diesem ruhigeren Stück ziehen die Jungs das Tempo wieder etwas an, trotz allem fällt einem oftmals, wie bei „Long hard road“ immer wieder das gleiche Schema auf: harte Strophe, seichterer mit Chören versehener Refrain, Solo und das war’s im Großen und Ganzen schon.

Glücklicherweise durchbricht „One step ahaid“ dieses Schema und erinnert vor allem auch gesanglich einmal mehr an den großartigen Lemmy Kilmister von Motörhead. Nicht nur bei diesem Lied, nein, eigentlich bei der ganzen Scheibe muss man nochmals die Schlagzeugparts von Hilgers loben. Der Junge tut der Band mit seinen zahlreichen Rhythmuswechseln, Fill-Ins und Brakes mehr als gut. Gitarrist Victor Smolsky macht ebenfalls einen hervorragenden Job, allerdings erscheint der Sinn etwas schleierhaft, warum bei zwei Soli keine Hintergrundgitarre zum Einsatz kommt, in manchen Refrains aber fünf und mehr Gitarren gleichzeitig zu hören sind.

Trotz allem liefern Rage mit ihrem 19. Studioalbum eine klasse Metalscheibe ab. Nichts herausragend Neues, keine Innovationen, aber eben ein solides Werk, dem man durchaus seine Aufmerksamkeit widmen sollte! Bleibt nur noch zu hoffen, dass Peavy diesmal mit seinen beiden Jungs mehr Glück hat und diese Besetzung noch lange Bestand hat.

Anspieltipps:

  • Drop Dead
  • Gentle Murders
  • One step ahaid

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