P.O.D. - When Angels And Serpents Dance - Cover
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P.O.D. When Angels And Serpents Dance


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Ja, ja, der will sich nur einschleimen!“ werden jetzt viele rufen, die dem Verfasser dieser Zeilen aufgrund der vernichtenden Kritik zum Vorgänger „Testify“ (01/2006) mehrere Hassmails geschrieben hatten. Doch weit gefehlt. „When angels and serpents dance“ ist nicht nur die siebte P.O.D.-Scheibe in Ur-Besetzung, sondern wider Erwarten auch eine verdammt gute. Dabei hat nach dem Multi-Platin-Erfolg „Satellite“ (09/2001), 4 Millionen verkaufte Einheiten allein in den USA) alles gar nicht danach ausgesehen, als würden sich die christlichen Nu Rocker noch einmal zusammenraufen und einen erwähnenswerten Longplayer veröffentlichen. Schließlich war nicht nur bei „Payable on death“ (11/2003) und „Testify“ aufgrund des Weggangs von Gitarrist Marcos Curiel, der in Anbetracht der qualitativ schwachen Outputs wohl ein wichtige Rolle im Bandgefüge spielte, hörbar die Luft raus. Stumpfes Gebolze wechselte sich mit halbherzigen Rap-Einlagen und ewig gleichen sozialkritischen Texten ab, die selbst Hardcore-Fans nicht mehr hören wollten, wodurch der Vorgänger zu „When angels and serpents dance“ lediglich eine Viertel Million Mal über amerikanische Ladentische ging.

Die nachgeschobene Best Of-Zusammenstellung „Greatest Hits: The Atlantic Years“ (11/2006) konnte jedoch keineswegs die Kohlen aus dem Feuer holen und bestätigte mit kaum nennenswerten Umsatzzahlen das schwindende Interesse an den ehemaligen Megasellern im Nu Rock-Sektor. Mit dem Abgang von Ersatzgitarrist Jason Truby und der Rückkehr von Marcos Curiel, sowie neuem Plattenvertrag bei Columbia Records erleben P.O.D. anscheinend nun ihren zweiten Frühling, der sich zwar durch gedrosselteres Tempo, aber ungleich hoher Durchschlagskraft mit enorm vielseitiger Crossover-Attitüde bemerkbar macht. Schon der Opener „Addicted“ zeigt die Truppe rund um „Sonny“ (Paul Sandoval, Gesang), Marcos Curiel (Gitarre), „Traa“ (Mark Daniels, Bass) und „Wuv“ (Noah Bernardo, Schlagzeug) frisch und modern in einem explosiven, rifflastigen Monster, das allein durch den Wechsel zwischen höher und tiefer gestimmten Gitarren mehr Spielfreude beinhaltet als sämtliches Material der beiden Vorgänger.

Mit „Shine with me“ finden sie dann auch wieder die goldene Mitte aus hymnischem Rock und anspruchsvollem Songwriting, was „Condescending“ weiter auszubauen weiß und den Track zu einem der Höhepunkte auf „When angels and serpents dance“ macht. Zu Beginn von „It can´t rain everyday“ steht dann ein beseeltes Gitarrenintro von Curiel, dessen hingebungsvolle Arbeit sich durch den kompletten Longplayer zieht und so selbst schwächere Stücke aufwertet, während „Kaliforn-eye-a“ mit Mike Muir der Suicidal Tendencies den ersten Gastauftritt beinhaltet und etwas härter ins Gebälk knallt. Zeit für eine kleine Auszeit bieten die Amis mit dem Reggae-betonten „I´ll be ready“ (Gäste: Cedella und Sharon Marley) und dem großartigen „End of the world“, welches allerdings nur zu Beginn ruhigere Töne anschlägt und trotz Midtempo-Gebärden aufgrund starker Kriegskritik („What happen to peace here on earth / It never gets better but worse / It feels like the end of the world to me“) und einer fabelhaften Klangkulisse (Chor im Background, unterstützende Streicher) P.O.D. genau so zeigt, wie man es von ihnen gewöhnt war - Nämlich als Band, die neben überzeugender musikalischer Darbietung auch noch mit einer aussagekräftigen Message dienen kann. Ein äußerst positiver Aspekt, der auf „Payable on death“ und „Testify“ einfach zu kurz gekommen ist.

„This ain´t no ordinary love song“ geht es erneut gelassener an, damit der Donnerschlag „God forbid“ mit Page Hamilton von Helmet einen auch ordentlich vom Stuhl bläst. Derartig aggressiv hat man die vier Kalifornier schon lange nicht mehr gehört. Zum Ausgleich gibt es das Santana-ähnliche Instrumental „Roman empire“, während der Titeltrack trotz hart rockendem Unterbau eher farblos bleibt und erst „Tell me why“ als kritischer Blick (vor allem) auf die Gesellschaft Amerikas, in der Sonny wie ein Prediger neben zurückhaltender Instrumentierung seinen Text zum Besten gibt, den Hörer kurz vor Schluss nachdenklich zurücklässt und mit dem abschließenden Aufruf „Rise against / Stand up for what is right“ (in „Rise against“) gleich ein (wenn auch etwas ausgelutschtes) aktives Statement zur Weltverbesserung parat hat.

Wie dem auch sei, P.O.D. legen ein beeindruckendes, facettenreiches Album ab, das viele in dieser Form und Dichte nicht mehr für möglich gehalten hätten. Mit Jay Baumgardner (Papa Roach, Alien Ant Farm, Seether, Evanescence) als Produzent haben sie in dieser Hinsicht zwar auf ein sicheres Pferd gesetzt, verübeln wird ihnen das nach der kommerziellen Durststrecke und den künstlerisch kaum relevanten Outputs der letzten fünf Jahre aber niemand. Stattdessen bleibt einem nur zu sagen: Auf diesem Niveau bitte weitermachen!

Anspieltipps:

  • Tell Me Why
  • I´ll Be Ready
  • Condescending
  • End Of The World
  • It Can´t Rain Everyday

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