Liquido - Zoomcraft - Cover
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Liquido Zoomcraft


  • Label: Nuclear Blast/WEA
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Liquido“, seit zehn Jahren musizieren die vier Magdeburger nun schon unter diesem Namen in unveränderter Formation. Und trotz allem werden sie nach wie vor auf ihren einzigen Hit „Narcotic“ reduziert. Daran wird auch das neueste Werk „Zoomcraft“ nichts ändern können. Wer immer noch darauf hofft, dass die Jungs irgendwann zu ihrem „klassischen“ Stil zurückkehren, braucht sich von der neuesten Scheibe nicht ein einziges Lied anzuhören, denn wie schon beim letzten Album rücken elektronische Klänge immer weiter in den Focus der Band. Um diesen irgendwo zwischen Indie, Rock und Elektropop einzuordnenden Sound zu verfeinern, holten sie sich Fanta4-Produzent Jochen Schmalbach mit ins Boot und begannen im Dezember 2006 mit den Aufnahmen zu ihrem mittlerweile 5. Longplayer. Die Produktion dauerte ganze neun Monate während denen intensiv am neuen Material gefeilt wurde. Nach weiteren neun Monaten kommt das Konzeptalbum, welches in drei Bereiche, sogenannte „Zoomlevel“, eingeteilt wurde, nun endlich auf den Markt.

Im Zoomlevel 1.0 soll man sich laut Bandaussagen „wie in einem Elektroclub“ fühlen, Zoomlevel 2.0 soll mehr Farbe in Spiel bringen und Zoomlevel 3.0 soll die Independent-Wurzeln von „Liquido“ zurückbringen, ohne dabei auf das neugewonnene elektronische Soundgewand zu verzichten, soweit zumindest die Theorie. Doch wie sieht das in der Realität aus? Ehrlich gesagt, die einzelnen Level bieten zu wenig Differenzierungspotential. Man vermag beispielsweise „Easy“ durchaus mit ins Level 1 verschieben, da es genauso viele elektronische Klänge aufweist, wie beispielsweise „A one song band“ aus dem ersten Level. Letztgenannter Titel nimmt im Übrigen auf eine sehr amüsante Art und Weise ihren Status als One-Hit-Wonder auf die Schippe.

Streicht man endlich „Narcotic“ aus seinem Kopf und lässt sich auf die neue Musikrichtung ein, so findet man zumindest einige gute Songs auf der CD. Der Opener „Drop your pants“ ist eine Uptempo-House-Nummer und läd zum Tanzen ein. „2 Square meters“ weißt schon fast einen Hauch von dem Elekropop der 80er auf, dabei wirkt es jedoch leider zu belanglos. Auch „Beyond the turmoil“ sorgt für Desinteresse und zwingt den Hörer förmlich zum skippen. „Zoomlevel 2.0“ enthält die Singleauskopplung „Gameboy“, der zu den schwächeren Songs des Albums gehört. Glücklicherweise enthält der zweite Level nur vier Songs, denn die sind allesamt schlicht und einfach langweilig. Das dritte Kapitel ist da schon wieder etwas besser, wobei sich „Best strategy“ als eines der Highlights des Albums herausstellt: Ein Gute-Laune-Song der, man höre und staune, die elektronischen Beats in einer wirklich überzeugenden Art und Weise mit verzerrten Gitarrenklängen zu verbinden weiß, ohne dabei Langeweile auszulösen. Leider finden sich auch hier wieder einschläfernde Titel, wie das schon erwähnte „Easy“, so dass auch dieses Level nicht wirklich überzeugen kann.

Für Fans der ersten Stunde wird sicherlich auch mit diesem Album nicht wirklich ein Traum wahr. Für alle Indiefans, die mit Elektro-Indie-Pop-Rock etwas anfangen können, bietet die neueste Scheibe durchaus einige Schmankerl, auch wenn leider zu viele belanglose Songs darauf zu finden sind. Angesichts der langen Produktionszeit nicht wirklich nachvollziehbar. Auf die Frage wo sich „Liquido“ selbst mit ihrem neuesten Werk sehen, sagt Gitarrist Eiermann: „im House-Elektro-Club mit verschwitzten Klamotten und ‘ner E-Gitarre in der Hand“. Da passen sie auch durchaus hin, denn tanzbare Nummern sind auf „Zoomcraft“ genügend zu finden, zum gemütlichen Anhören im heimischen Wohnzimmer hat die CD allerdings zu wenig Potenzial!

Anspieltipps:

  • A one song band
  • Best strategy

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