The Ocean - Precambrian - Cover
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The Ocean Precambrian


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 84 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Da ist das mächtige „Aeolian“ (11/2005) noch nicht einmal zwei Jahre alt, schon legt das Musikerkollektiv The Ocean mit einem wahrhaft monumentalen Doppelschlag nach. Die Erdgeschichte soll es sein, die dem Namen nach mit „Precambrian“ vertont wurde und sich auf die LP „Proterozoic“ und die nur ein Drittel so lange EP „Hadean/Archean“ erstreckt, die jedoch nicht getrennt voneinander, sondern in einem gemeinsamen, äußerst hübsch und mit Liebe zum Detail gestalteten Digipack auf den Markt geworfen wird. Etwas größenwahnsinnig also, was die Herrschaften Robin Staps, Matt Beels, Walid Farruque (Gitarre), Mike Pilat, Hannes Huefken, Jonathan Heine (Bass) und Torge Liessmann (Schlagzeug, Perkussion) gemeinsam mit sage und schreibe elf unterschiedlichen Sängern und weiteren acht Musikern, die an Cello, Viola, Violine, Klavier, Saxophon, Glockenspiel oder Tamburin gesessen sind, verwirklicht haben.

Bei dieser Menge an kreativem Input bzgl. der unterschiedlichen audiovisuellen Umsetzung den Überblick zu behalten, ist sicherlich eine kräftezerrende und anstrengende Arbeit. The Ocean fühlen sich aber anscheinend gerade in diesen Dimensionen pudelwohl und liefern mit „Precambrian“ ihr bislang vielschichtigstes und bewegendstes Album vor. So finden neben den Hauptanteilen von Doom und Post Metal auch kleinere Fragmente wie Punk („Paleoarchean“), Black oder Gothic („Calymmian“, „Ectasian“) Einzug in die Entstehungsgeschichte der Erde und mit dem völligen Verzicht auf elektrische Instrumente wie Gitarre oder Bass wird mit „Cryogenian“ sogar eine Brücke zur E-Musik geschlagen, die das fast 1½ stündige Werk perfekt abrunden lässt.

Demnach sei jedem geraten mit dem kleineren Happen namens „Hadean/Archean“ zu beginnen und sich erst nach dem Genuss dieses eigentlich noch recht oberflächlichen musikalischen Hors d’oeuvres zum wesentlich größeren und sowohl episch, dramaturgisch als auch dynamisch versierteren Gegenstück „Proterozoic“ durchzuarbeiten, denn was die Kontinentaldrift für die Erde war, ist diese CD für das Unterfangen „Precambrian“: In ihrer Grundidee einzigartig, essentiell für die Wirkung des Konzepts, atmosphärisch kurz vorm Bersten und somit Kopfkino, das mit einer prachtvoll inszenierten Laut-Leise-Ästhetik, sowie wiederkehrenden, einprägsamen Melodien und filigranen Details ausgestattet ist, als wäre es die einfachste Sache der Welt gewesen, diese Musik zu erschaffen und den Hörer an sie zu binden.

Ganz wie die Licht- und Schattenspiele in den beiden Booklets zu den CD´s (Stichwort: alternative Songtitel), tauchen mal zähflüssige Lavamassen auf, die plötzlich an Tempo zunehmen, in eine andere Richtung fließen und schlussendlich wieder an den Ausgangspunkt gelangen oder sich auch ganz und gar nicht vom Lauf der Zeit beeinflussen lassen und nur versuchen eine Epoche stimmungsvoll auditiv nachzubilden, mal setzen The Ocean gleich mit einem Dampfhammer ein und formen aus kleinen Mosaiksteinchen imposante Gesteinsbrocken, die dann den kryptischen Namen des jeweiligen Zeitalters wie z.b. „Orosirian“ oder „Tonian“ tragen. Das macht die Identifikation zwar etwas schwer, allerdings ist vor allem „Proterozoic“ so konzipiert worden, dass es durchgehend spannend, fesselnd und unterhaltsam bleibt und somit ein Überspringen eines Tracks ohnehin hinfällig macht. Kurzum: „Precambrian“ ist vertonter Wahnsinn, wie er abwechslungsreicher, faszinierender und atmosphärisch dichter nicht sein könnte.

Anspieltipps:

  • Tonian
  • Rhyacian
  • Statherian
  • Eoarchean
  • Calymmian

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