Hercules And Love Affair - Hercules And Love Affair - Cover
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Hercules And Love Affair Hercules And Love Affair


  • Label: DFA/EMI
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus dem Umfeld von LCD Soundsystem, nämlich dem Label DFA Records, stammt das Projekt Hercules And Love Affair von Andrew Butler, das nun mit dem selbstbetitelten Debüt-Album gehörige Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Die kreative New Yorker Musik/Kunst-Szene ist wohl schuld daran, dass sich der einstige Produzent Andrew Butler mehr dem aktiven Musikschaffen widmete und so schließlich auf den überaus androgynen, umtriebigen Antony Hegarty (Antony & The Johnsons) traf, der einigen Songs auf dem von Butler und Tim Goldsworthy (DFA) produzierten Longplayer seine unverkennbar liebliche Stimme lieh. Mit den beiden Damen im Gespann, Nomi (u. a. Zusammenarbeit mit CocoRosie sowie Debbie Harry) und Kim Ann (DJane, Schmuckdesignerin, Sängerin) zogen Butler/Antony um die Häuser der New Yorker Nachtszene, formten Parties und lassen diese Kreativität nun auch in die Platte einfließen.

Im Opener „Time Will“ thront Antonys mystisch gehauchter bis zart fordernder Gesang neben pluckernden Mid-Tempo-Beats und tröpfelnden Keyboard-Melodien, die stark in Richtung von analogem 80´s Synthie-Pop schielen, doch viel zu eigensinnig sind, um Retro-Shows zu untermalen oder grau in der Pop-Vergangenheit zu verweilen. Es werden Haken geschlagen, ohne den Pfad des eigenen Pop-Verständnisses von Hercules And Love Affair zu durchbrechen. Nicht nur bei „Hercules Theme“ wähnt man sich gar in Soul-Regionen, wenn Bläser den abgehangenen Dance-Entwurf unterstützen und dabei Lässigkeit aus den Ärmeln geschüttelt wird, dass man seine Füße nicht mehr stillhalten kann. Es bleibt dabei angenehm tanzbar, aber ohne den rotzigen Beat, den man vielleicht von einer Produktion aus dem Hause DFA erwartet. Das eine Bein, welches im glatt polierten Dance unterkommt, findet sein Gleichgewicht beim leicht disharmonischen, extravagant ausufernden Pol, der zwar nicht allzu offensichtlich ans Tageslicht tritt, dafür aber der anhaltenden Faszination dieser Platte einen wichtigen Dienst erweist.

Bei der Single „Blind“ ist es wieder Antony, an dessen Stimme man einfach nicht vorbeikommt, der den schon guten, locker pulsierenden Instrumental-Part (erneut angereichert mit Bläsern) nochmals anhebt und voller Laszivität über den farbenfrohen Disco-Teppich trollt. Dabei ist es keine Sterilität der vielseitig ausgearbeiteten Electro-Sounds, die einem in den Sinn kommt, sondern die unglaubliche Wärme und Melodien-Sicherheit in der Musik sowie bei den Vocals. Einzig der weibliche Gesang liegt hinter dem Gesamteindruck zurück, aber wer mag das bei der strahlenden Extravaganz von Antonys Vocals übel nehmen. Insgesamt ein wunderbares Wohlfühl-Erlebnis, in dem man sich lange Zeit suhlen kann und dabei immer wieder entzückt das Tanzbein schwingt oder die Seele baumeln lässt. So zündend haben zuletzt nur Hot Chip auf „The Warning“ Electro-Pop und organische Elemente kombiniert, die einen nur schwer wieder loslassen.

Anspieltipps:

  • Time Will
  • You Belong
  • Blind
  • True False, Fake Real

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7/10

The Click
  • 2017    
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