22-Pistepirkko - (Well You Know) Stuff Is Like We Yeah! - Cover
Große Ansicht

22-Pistepirkko (Well You Know) Stuff Is Like We Yeah!


  • Label: Bone Voyage/CARGO
  • Laufzeit: 53 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die spinnen, diese Finnen! Ein Satz, der auf positiv sympathische Weise für die seit den frühen 1980ern aktive finnische Band 22 Pistepirkko zutrifft. Seit ihrem Debütalbum „Kings Of Hong Kong“ (1987) sind ganze Berge finnischen Schnees geschmolzen. Doch keine Spur von Müdigkeit, im Gegenteil immer inspirierter gehen sie zu Werke, auch wenn man ihnen nachsagt, sie hätten mit ihrem 2005er Werk „Drops & Kicks“ die elektronischen Experimente beendet, die Kreativität und das Wagnis in ihren Songs ist geblieben. Dies unterstreicht das vorliegende „(Well You Know) Stuff Is Like We Yeah!“ ganz beeindruckend. Das Album riecht förmlich nach einem langsamen Grower, dessen wahrer Wert womöglich erst in ein paar Jahren abzuschätzen sein wird.

Mit einem beinahe harmlosen Einstieg, dem „Suburban Ladyland“ beginnt das Werk als poppige Beach-Boys-Fantasie, die in „Crazy Meat“ als schlurfiger Rock’n’Roll zum Space-Rock mit harten Rock-Gitarren mutiert. Danach kriecht der „Lizard“ als Psychedelic-Folk-Song und ehe man sich versieht rockt „Amgoulême 2036“ als elektrischer Future Blues, während das „Sky Girl“ von tief im Blues wurzelnden Slide Gitarren geerdet und eindringlichem Gesang in den buchstäblichen Himmel gehoben wird. Anschließend wird der „Zombie“ als melodiöser Popsong zum Leben erweckt und in den tiefen Sümpfen des Rock versenkt. „Aquarius Zero“ stampft und dampft, wird von flirrenden beängstigenden Keyboards geloopt. Erfährt auf „Garbage Land“ atmosphärische Fortsetzung mit widersprüchlicher Keyboard-Melodie, einerseits lustig-verspielt, andererseits mysteriös-gespenstisch. „Summer Triangle“ klingt nach Beach Boys mit Kirmes Orgel und verweist auf den Eröffnungs-Track.

Die Achterbahnfahrt der Emotionen erfährt auf „Smileys Are Not Enough“ ihren Tiefpunkt. Akustische Gitarre, Gesang und ein Cello loten ein trauriges Dunkel aus. Nach soviel Schwarz greifen die Finnen in den Farbtopf, erschaffen mit „Blue And Purple“ einen 1960er Popsong, der rockend im Hier und Heute ankommt. „Refrain From The Refrain“ beginnt als Bass-Keyboards-Spaziergang, der zum nächtlichen Gitarren-Trip in die Tiefen des Unterbewusstseins transformiert. Der finale Song „The Others“ (als The Others aka 22pp veröffentlichten sie 2006 das Album “The Monochromeset”) leuchtet in alle Richtungen als letzter Nachhall.

Produziert hat Kramer (Bongwater, Galaxie 500, Daniel Johnston, Dot Allison) gemeinsam mit der Band. Und Kramer fungiert hier als Magier im Hintergrund, der die Fäden zieht. Seine raumgreifende, in die Tiefe gehende Produktionskünste erzeugen schwarze Löcher, an die 22 Pistepirkko ganz nahe heranfliegen, aber nie darin verschwinden. Die Geister des Rock’n’Roll spuken zwischen den 13 Songs, artverwandte Zombies und Lizards, die seinerzeit auf Big Stars „Third/Sister Lovers“ ihre Kreise zogen. Aus Kramers Wunderkoffer entsiegen mäandern sie auf den Tonspuren von „(Well You Know) Stuff Is Like We Yeah!“ Die spinnen, diese Finnen!

Anspieltipps:

  • Lizard
  • Angoulême 2036
  • Aquarius Zero
  • Smileys Are Not Enough
  • Refrain From The Refrain

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
8/10

Sweet Sweet Silent
  • 2017    
6.5/10

Halb Oder Gar Nicht
  • 2017    
Diskutiere über „22-Pistepirkko“
comments powered by Disqus