Keith Caputo - A Fondness For Hometown Scars - Cover
Große Ansicht

Keith Caputo A Fondness For Hometown Scars


  • Label: Suburban/SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Bittersweet Melodies! Gute acht Jahre nach seinem von Kritikern zu Recht hoch gelobten Meisterwerk „Died Laughing“ beweist Keith Caputo wiederholt sein äußerst feines Gespür für Klangvollendete und eindringliche Melodien. Songs zwischen Glückseligkeit und zu Tode betrübt, intelligentes Songwriting und seine markante Stimme infiltrieren Ohr und Hirn in Windeseile und machen „A Fondness For Hometown Scars“ zu einer wahren Herzensangelegenheit.

Dem beeindruckenden Debüt des kleinen New Yorkers, aus dem Jahre 2000, folgten zwei weitere, wesentlich sperrigere und auch deutlich lauere Veröffentlichungen. Es schien als wolle sich Caputo partout nicht auf den melodischen und zugänglichen Lorbeeren seines Erstlings ausruhen und verdingte sich in der Folgezeit in eher verschachtelten und rauen musikalischen Gefilden. Mit diesem Kurswechsel konnte er zwar wieder einige alteingesessene Life-Of-Agony Anhänger zurück ins Boot holen, aber diejenigen, die seinem Debüt so innig verfallen waren, wurden von den Nachfolgern wahrscheinlich etwas enttäuscht. So grandiose Stücke wie „New York City“ oder „Upsy Daisy“ hatten nun mal nachhaltige Spuren hinterlassen und man wünschte sich einfach mehr davon.

Anno 2008 hat Herr Caputo nun endlich ein Einsehen mit den Sehnsüchten seiner Anhängerschaft. Denn die insgesamt elf Songs des neuen Werks sind nicht nur eine Fortsetzung seiner beinahe eine Dekade gealterten Songjuwelen. Sie sind vielmehr die konsequente Weiterentwicklung einer intimen, berührenden und packenden Soundatmosphäre. Einmal Rocker, immer Rocker? Das greift hier nur bedingt. Keith Caputo lässt zwar vereinzelt seine LOA-Vergangenheit auferstehen, wie z.B. auf dem stürmisch-kratzigen „Troubles Down“ oder dem ähnlich wütenden „Devil’s Pride“, aber es sind die ruhigen und wohldosiert melancholischen Momente die „A Fondness For Hometown Scars“ eine fast magische Qualität verleihen und punktgenau in die Synapsen schießen. Bereits der grandiose Einstieg mit den Ohrwurmigen „Crawling“ und „In December“ offenbart jene prickelnde Aura, die in den folgenden knapp 50 Minuten in ihren Bann ziehen wird.

Ein empfindsam gestricktes Gewebe aus wunderschönen Melodien, getragen von nachdenklich stimmenden Texten und der sanft-melancholischen Stimme von Caputo – zu Herzen und unter die Haut gehend. „In This Life“ besticht mit seinem akustischen Melodiebogen ebenso wie das intensive und geradezu stille „Nothing To Lose“ oder das verspielte Mid-Tempo Stück „Son Of A Gun“. Es ist ein kluges, ausgereiftes und tolles Singer/Songwriter Album irgendwo zwischen Tom Petty, den Beatles und den Counting Crows, dass dann mit dem wunderbaren „Got Monsters“ auch noch einen dieser genialen Augenblicke inne hat, der den Unterschied zwischen einer guten und einer sehr guten Platte ausmacht. Vom ersten Takt an fesselt dieses Lied wie kein zweites. Verträumte um sich selbst schwebende Klavierklänge zusammen mit Caputos hier enorm zerbrechlich wirkender Stimme brennen diesen Song ins Gedächtnis und verhaken sich dauerhaft in der akustischen Speicherplatine des Hörers Großhirns. Vorsicht Suchtgefahr!

Dies ist nun bereits das zweite fette Ausrufezeichen in der Solo-Karriere Caputos. Bittersüß, manchmal düster, manchmal hoffnungsfroh, hier und da auch etwas lauter. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht noch einmal fast zehn Jahre dauern wird bis zur nächsten akustischen Meisterleistung dieses Mannes. Wobei „A Fondness For Hometown Scars“ mit Sicherheit auch über eine längere Warteperiode mehr als hinwegtrösten wird und seinen Platz im Klassiker-CD-Regal jetzt schon auf unbestimmte Zeit gesichert haben wird.

Anspieltipps:

  • Crawling
  • In December
  • In This Life
  • Nothing To Lose
  • Got Monsters

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Keith Caputo“
comments powered by Disqus