RPWL - The RPWL Experience - Cover
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RPWL The RPWL Experience


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 80 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es soll ja Leute geben, die können immer noch nicht glauben, dass es auch entspannten Prog-Rock gibt.

Gestartet als Pink-Floyd-Coverband, haben RPWL (das Akronym ergibt sich aus den Mitgliedsnamen der Erstbesetzung) nach inzwischen zehn Veröffentlichungen ihren eigenen Stil gefunden. Dieser ist jedoch keineswegs so einzigartig, als dass man ihn als besondere Erfahrung anpreisen muss. Aber Selbstbewusstsein macht bekanntlich sexy. Und der Sex-Appeal von „The RPWL experience” ist tatsächlich recht groß, wenn auch der eigentliche Akt eher blümchenhaft ausfällt, denn das Album suhlt sich förmlich in seinem Wohlfühlflair. Wir erinnern uns: das ging schon mal nach hinten los. Die deutschen Kollegen von Sylvan schoben ihrem 2006 erschienenen Meisterwerk „Posthumous silence” eine mit „Presets” betitelte CD nach, auf welcher die ruhige, poppige Seite der Band zur Schau gestellt werden sollte. Das Ergebnis fiel leider allzu seicht, höhepunktarm und unspannend aus. Das ist offensichtlich den Kollegen von RPWL nicht entgangen, denn sie begehen nicht den Fehler, sich allzu sehr auf ihre harmonischen Melodiebögen zu verlassen, sondern reichern ihre 12 Songs (inklusive zweier auf der Special Edition vertretenen Bonustracks) mit genügen Abwechslung und Highlights an.

Das Ergebnis ist zwar weder sonderlich innovativ oder originell, aber suchterzeugend. Schon der Eröffnungstrack - mit 10 Minuten das längste Stück auf dem Album - schöpft aus dem Vollen, was das jüngst entstandene Art-Rock/Pop-Genre hergibt. Aber was ist überhaupt dieses Art-Rock? Wo kommt er her und was sind seine unergründlichen Mysterien? Salopp gesagt ist Art-Rock die entschärfte Form des progressiven Rocks. Wer das nicht mag, bezeichnet es als weichgespülten Kuschel-Prog. Wer es mag, erkennt darin die schönere Variante progressiver Musik. Der Sound ist im Allgemeinen nachvollziehbarer, strukturierter und angenehmer zu hören, ohne dabei seine Wurzeln zu vergessen.

„Silenced” ist demnach auch ein Longtrack, der die Symbiose aus Pop-Attitüde und Prog-Anomalie hevorragend umsetzt. Gleich darauf folgt mit „Breath in, breath out” der kürzeste Song des Albums. Eine lupenreine Ballade, die nicht eine Sekunde Gefahr läuft, ins Kitschige abzugleiten. Bei „Where can I go” schlägt die Vergangenheit als Pink-Floyd-Coverband voll durch. Der Song würde dem letzten David-Gilmour-Album zur Ehre gereichen. Aus einer ganz anderen Ecke stammt „Masters of war”. Das Original von Bob Dylan wurde bis zur Unkenntlichkeit uminterpretiert. Mit seinem sphärischen Charakter weckt es Erinnerung an „Brothers in arms” von den Dire Straits. Großes Remake eines tollen Songs! „This is not a prog song” ist - wer hätte es gedacht - einer der wenigen richtigen Prog-Song auf „The RPWL experience” (vor allem erkennbar am vertrackten Refrain und dem frickelähnlichen Ausklang).

Kein Highlight, aber ein passender Folgetitel zu „Masters of war”. Ein kleiner Ausrutscher ist „I watch myself sleeping”. Sechs Minuten, die weitgehend ereignislos verlaufen. In der richtigen (Schlaf-)Stimmung kann man aber sicher auch daran Gefallen finden. „Stranger” zeigt RPWL von ihrer experimentellen Seite. Im Gegensatz zum Rest des Albums fehlt hier der Rote Faden, stattdessen erweckt vor Allem die zweite Hälfte einen sehr improvisierten Eindruck. „Alone and scared” ist ein mit fast vier Minuten viel zu lang geratenes Interludium. Solche Stücke dienen zu Überleitung in den nächsten Song oder um eine Art Verschnaufpause einzulegen. In beiden Fällen wäre „Alone and scared” deutlich zu lang. Definitiver Kandidat für die Skip-Taste. „Talk to the river” hätte sich die Band ebenfalls schenken können. Plätscher, waber, plätscher. Weg damit. Glücklicherweise setzt „Choose what you want to look at” am Ende (der normalen Ausgabe) noch mal ein Ausrufezeichen. Ein erstklassiger Alternative-Rock-Titel, dessen Refrain man so schnell nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Die beiden im Low-Tempo-Bereich angesiedelten Bonustracks sind eine hübsche Ergänzung zum Album, aber sicher kein zwingendes Argument für den Kauf der Special Edition.

Es soll ja Leute geben, die können immer noch nicht glauben, dass es auch entspannten Prog-Rock gibt. Für diejenigen ist „The RPWL experience” genau die richtige Therapie. Prog-Fundamentalisten dürfen ebenfalls ein Ohr riskieren.

Anspieltipps:

  • Silenced
  • Masters of war
  • Where can I go
  • Breath in, breath out
  • Choose what you want to look at

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