Billy Bragg - Mr. Love And Justice - Cover
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Billy Bragg Mr. Love And Justice


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

In Zeiten, in denen das Fach der verzagt und introvertiert agierenden Singer/Songwriter eine Renaissance nach der anderen feiert, tut es ziemlich gut, noch immer und zum wiederholten Male auf einen Künstler wie Billy Bragg aufmerksam machen zu können. Ein Urgestein, das ungebremst und unangepasst wie eh und je verdeutlicht, über welch Spannbreite dieses Genre doch verfügt. Nicht genug damit, dass der Mann aus Essex sich dabei in den vergangenen gut 30 Jahren zum schärfsten, entlarvendsten und dezidiert britischsten Sozialkritiker nach Ray Davies emporgeschwungen haben dürfte. Wie kaum ein anderer ach so hochgelobter Singer/Songwriter dieser Tage versteht es Billy Bragg zusätzlich auch noch, spielend die revolutionäre Kraft seines Fachs aufzuzeigen.

Seine Songs lediglich mittels Stimme und Gitarrenspiel als schneidende Waffe einzusetzen und zu beweisen, dass Folk und Punk nicht zwangsläufig an den unterschiedlichen Polen dieser Welt stattzufinden haben. Eine Gabe, von der auch sein neuestes Werk „Mr. Love & Justice“ ein eindrucksvolles Zeugnis ablegt. Sechs Jahre sind vergangenen seit Billys bisher letztem Album „England, Half English“. Sechs Jahre, die er vornehmlich dazu genutzt hat endlich seinen umfangreichen Backkatalog digital aufgemöbelt unters Volk zu bringen und ein fundiertes Buch über Patriotismus zu schreiben: „Um ehrlich zu sein, ich hätte keine neue Platte machen können ohne vorher dieses Buch zu schreiben. Das war fast ein wenig wie ein Forschungsjahr, ich musste mich einfach erst mal in irgendeine Richtung weiterentwickeln.“

Bekannt für das sprachlich und intellektuell hohe Niveau seiner Texte kann es sich Billy Bragg dabei durchaus leisten, auch auf „Mr. Love & Justice“ trotz aller gedanklichen Weiterentwicklungen nun trotzdem keine thematischen Quantensprünge vollziehen zu müssen: Einige Songs auf dem neuen Album handeln von Liebe, andere von Politik und ich glaube, jeder wäre wahrhaft überrascht, wenn es bei mir mal um etwas anderes gehen würde. Dass diese Themenpalette der werten Stammhörerschaft des Engländers dabei zu langweilig werden könnte scheint allerdings ausgeschlossen, fühlt Bragg sich doch gerade von seinem Publikum am meisten inspiriert. Und das gleich einmal so sehr, dass er ihnen diesmal sogar einen eigenen Song namens „I Keep Faith“ gewidmet hat: „Meine Hörer haben schon ziemlich viel ertragen müssen und ich schimpfe noch immer über Politik und beschwere mich ständig bei ihnen über mein Liebesleben. Dabei sind doch gerade sie es, die mich so gewaltig inspiriert haben.“

Auch musikalisch setzt Billy auf „Mr. Love & Justice“ auf Altbewährtes, wurde der neue Songreigen doch mit Braggs erprobter Begleitband The Blokes eingespielt, ergänzt um Produzent Grant Showbiz (The Fall, The Smiths) und Rocklegende Robert Wyatt, der als Gastsänger auf „I Keep Faith“ zu hören ist: „Ich hatte Robert seit 1986 etwa nicht mehr gesehen“, erläutert Billy die Begleitumstände dieser interessanten Kollaboration. „So war er auf der Suche nach Rhabarber für einen Kuchen in einem Supermarkt arglos und zufällig in Wyatt gelaufen. Er besorgte mir den Rhabarber und kam dann mit ins Studio, um beim Refrain von ‘I Keep Faith‘ einen wunderschönen Begleitgesang beizusteuern es war, als würden Engel singen!“

Anspieltipps:

  • M for me
  • I kkep faith
  • The brach is free
  • If you ever leave
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