Scott Matthew - Scott Matthew - Cover
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Scott Matthew Scott Matthew


  • Label: Glitterhouse Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie gut, dass es noch immer Geheimtipps gibt. Und Vollbärte. Was als Einstieg in eine Plattenrezension etwas urig dahergeholpert zu kommen scheint, findet seinen tieferen Sinn ganz offensichtlich nicht nur in Ausnahme-Emotionalisten wie Will Oldham oder Mark E Everett von den Eels, sondern auch in Scott Matthew. Kein sonderlich schlechter Vergleich, bedenkt man, dass alle drei nicht nur über einen (zumindest zeitweise) wahnsinnig charismatischen Bartwuchs verfügen, sondern auch noch so bedrückend schöne Einsiedlermusik machen, dass man fast schon gar nicht mehr anders kann als sich selbst in eine verschrobene Eremitenklause tief im Wald zu wünschen.

Nun, ob Scott Matthew trotz Waldschrat-Optik tatsächlich mal aus purer Misanthropie heraus in einem wasser- und stromlosen Bretterverschlag gehaust hat, ist nicht überliefert. Zumindest aber stammt er aus Australien, auch nicht selten globaler Ausgangspunkt faszinierend-spröder Eigentümlichkeiten. Über die Stationen Sydney und Brooklyn/New York hat Scott es mittlerweile allerdings bis in den Soundtrack des Films „Shortbus“ geschafft ein Vehikel, das es ganz ohne Frage in sich hat, ist Scott doch spätestens durch den dazugehörigen Soundtrack aus den Ohren vieler musikalischer Perlensammler nicht mehr wegzudenken. Womit wir auch bei dem eingangs erwähnten Geheimtipp wären, denn obwohl Scott bis dato noch keine eigene Platte veröffentlicht hatte, galt er besonders weitsichtigen Singer/Songwriter-Enthusiasten spätestens mit „Shortbus“ als größter Heilsbringer seit, sagen wir, Nick Drake.

Seit ein paar Tagen ist es nun aber auf dem Markt, Scotts Debütalbum „Scott Matthew.“ Und ohne hier nun zwanghaft all den rechthaberischen Auguren nach dem Mund reden zu wollen jeder einzelne Tag emsigen Wartens hat sich gelohnt. Denn auf wahrhaft wundersame Weise hat Scott Matthew das Kunststück fertiggebracht, sich doch tatsächlich genau zwischen Will Oldham und den Eels zu platzieren. Die ernste, sprachliche Konsequenz des Ersteren trifft in Matthews Songs auf die verspielte, träumerische Leichtigkeit der Zweiten, hinzu gesellen sich effektvoll eingesetzte Trockenübungen in Tragik und Dramatik. Hier und da elegant begleitet von Streichern und Piano klagt sich der Australier dabei immer wieder die Stimmbänder aus dem Leib, zelebriert seine Traurigkeit und badet den hingebungsvoll Lauschenden in ein Bad aus Melancholie. Dass sein stöhnendes, ächzendes und bisweilen gar sehnendes Organ die wunderbar-hingetupften Melodiebögen dabei niemals zerstört, dafür jedoch Zeile um Zeile weiter veredelt, macht die wahre Größe von Scott Matthew aus.

Anspieltipps:

  • Amputee
  • Upside down
  • In the end
  • Market me to children

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