Devotchka - A Mad And Faithful Telling - Cover
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Devotchka A Mad And Faithful Telling


  • Label: Anti Records/SPV
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Unglaublich aber wahr, Balkan Pop ist in! Egal ob sich in der Disco zu Electro House-Beats ein Akkordeon hinzugesellt (z.B. Samim mit „Heater“) oder im angesagten Indie-Lokal traurige Akkorde von einem Mann namens Zach Condon alias Beirut (erstmals mit „Gulag orkestar“ (11/2006) auf der musikalischen Landkarte erschienen) angestimmt werden, folkloristische Elemente, die ihren Ursprung in rumänischen, ungarischen, griechischen, slawischen oder mexikanischen (besser bekannt unter Mariachi) Völkergruppen Tradition haben, sind, vermischt mit schlichter Popmusik, der Trend schlechthin.

Die aus Denver, Colorado stammende Gruppe Devotchka macht das allerdings schon seit etwa 10 Jahren, wodurch dem Vierer, bestehend aus Nick Urata (Gesang, Gitarre, Piano, Trompete, Bouzouki, Theremin), Tom Hagerman (Violine, Akkordeon, Piano), Jeanie Schroder (Bass, Sousaphone (eine Art Tuba), Gesang) und Shawn King (Schlagzeug, Perkussion, Trompete), durchaus eine Vorreiterrolle zugesprochen werden kann. Auf dem fünften Album „A mad & faithful telling“ geht es jedoch entgegen der tieftraurigen Darbietung auf dem „Little Miss Sunshine“-Soundtrack anfangs wesentlich fröhlicher zu.

„Basso profundo“ heißt das Stück, das man in dieser gut gelaunten Art und Weise rein gar nicht von dem amerikanischen Quartett erwartet hätte. Doch Devotchka wären nicht so lange im Geschäft, wenn sie in den Song nicht eine geschickte Abzweigung in Richtung multinationales Verständnis einbauen würden, der die Erwartungen an eine Band wie diese nur bestätigt. Überhaupt wird das Material mit zunehmender Spieldauer immer verzweifelter, wehmütiger und pathetischer, wodurch die Polka in „Comrade Z“ als letzter Lichtblick gezählt werden darf, denn danach beginnt der Vierer mit dem Spielen der Trauermärsche („Blessing in disguise“, „Strizzalo“, Undone“) und präsentiert diese in einer unnachahmlichen Art und Weise gepaart mit Indie/Punkrock-Atmosphäre, dass man sich nur noch heulend ins nächstbeste Kissen werfen kann.

Zwar bedienen Devotchka damit zufriedenstellend ihre Klientel, ihr Spektrum erweitern sie mit „A mad & faithful telling“ jedoch nicht und spulen wie im Schlaf ihre ganz eigene Variante von Balkan Pop meets Indie ab. Das macht aber eigentlich gar nichts, denn vielseitig ist das Album allemal, auch wenn kein Titel an den wundervollen Song „How it ends“ vom vorangegangenen Album anschließen kann.

Anspieltipps:

  • Comrade Z
  • Basso Profundo
  • The Clockwise Witness

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