Wirtz - 11 Zeugen - Cover
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Wirtz 11 Zeugen


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Daniel Wirtz (31) ist der Sänger der zurzeit auf Eis liegenden Band Sub7even (bekanntester Song ist die Top-40-Single „Weatherman“), mit der Wirtz zwischen 1999 und 2006 drei Alben aufgenommen hat. Mit „11 Zeugen“ legt er nun sein Solo-Debütalbum vor – und seine Zeugen sind natürlich seine Songs. Diese erzählen aus seinem Leben: ehrlich, authentisch und ungeschönt. Denn Musik ist für den 31-Jährigen „Passion, Therapie, Tagebuch, Psychiater und Problembewältigungsmaschine“ zugleich. Deshalb singt er auch in seiner Muttersprache, um besser und exakter rüberzubringen, was er fühlt und denkt.

Die musikalischen Vorlieben von Daniel Wirtz liegen in den dunklen und rauen Klängen des Grunge, die tatsächlich am besten zu seinen Texten passen, in denen er mit sich und seinem bisherigen Leben schonungslos aufräumt („Ne Weile her“, „Heute weiß ich“) und zu keiner Zeit um den heißen Brei herumredet („Keine Angst“, „Richtig weh“): Alkohol, Drogen, gescheiterte Beziehungen, Selbstzerstörung und Neuanfang – eine derartige Direktheit in deutschsprachigen Texten, die nicht auf fiktivem Ghetto-Gangsta-HipHop-Schwachsinn beruhen, sind eine absolute Seltenheit und im ersten Moment schwer zu packen. Denn die uneingeschränkt offene Art von Daniel Wirtz, sein Innerstes nach außen zu kehren, macht betroffen und nachdenklich. Schließlich hat jeder eigene Leichen im Keller und kann hier und da Parallelen ziehen. Doch Wirtz nimmt weder auf sich noch auf seine Hörer Rücksicht: „Ja ja, es tut mir leid. Ich kann’s auch nicht ändern. Und es ist bestimmt auch nicht die feine Art. Ja klar, ich könnte lügen wie die Blender die du aus Egogründen um dich scharrst. Willst du die Wahrheit hören, frag mich ob sie schön ist oder nicht. Ich sag’s dir ins Gesicht“.

Wirtz ist kein Betroffenheitsmucker, der seine Texte mit Kalkül schreibt. Hier schreibt jemand aus dem Herzen zum Zweck der Selbsttherapie, kombiniert mit der geeigneten Musik, die nicht zwingend kommerzielles Potenzial besitzt, aber zweifelsohne perfekt passt. Man denke nur an die bittere Lyrik eines Layne Staley (Alice In Chains), um zu erahnen, was dem Hörer auf „11 Zeugen“ präsentiert wird: Starke Rocksongs mit so viel Tiefgang, dass es garantiert nicht jedermanns Sache sein wird.

Anspieltipps:

  • Sag es wie es ist
  • Heute weiß ich
  • Ne Weile her
  • Keine Angst
  • Erster sein
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