Jon Oliva´s Pain - Global Warning - Cover
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Jon Oliva´s Pain Global Warning


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 60 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie finden keinen Schlaf mehr, wälzen sich, von Alpträumen geplagt, unruhig im Bett, gehen nicht mehr ohne seelischen Beistand aufs Klo und haben das Gefühl, sich jeden Augenblick übergeben zu müssen. Ganz klar: Sie haben einen Blick ins Booklet von „Global Warning“ geworfen und Jon Oliva erblickt. Das korpulente Überbleibsel der Heavy/Prog-Metal-Götter Savatage ist dort zusammen mit seinen Mitstreitern als halbseitig von Fäulnis und Verwesung gezeichnetes Monster abgebildet. Mit seinen fiesen „Ich-esse-gerne-kleine-Kinder“-Grinßen möchte man ihm nicht im Dunkeln begegnen. Die morbiden Illustrationen des inhaltlich vorbildlichen Booklets (in dem sich zu jedem einzelnen Song Erläuterungen finden) deuten an, dass Jon Oliva & Co. ein ernsthaftes Anliegen vorzutragen haben. Wie wir alle durch die tägliche Dosis Apokalypse in den Medien wissen, ist die Menschheit so gut wie im Arsch. Klimawandel, Überbevölkerung, Terrorimus, Islamismus, Kapitalismus und Tokio Hotel sorgen dafür, dass die Welt in Kürze kollabieren wird. Höchste Zeit also, vor den Folgen zu warnen. Diese Warnung verpackt Jon Oliva in 13 Songs, die zum Großteil einmal mehr Ideen seines viel zu früh verstorbenen Bruders Criss verarbeiten. Eingen davon ist allerdings anzumerken, weshalb sie zu Savatage-Zeiten nie den Weg auf ein Album fanden.

Einfallsloses Geplänkel („Look at the world“), Riffs vom Reißbrett („The Ride“) und einfältige Refrains („Adding the cost“) sind symptomatisch für ein Album, das sich einerseits von seinen Vorgängern (2004: „Tage Mahal“ / 2006: „Maniacal Renderings“) durch deutlich mehr Abwechslung unterscheidet, was so manchen Puristen vergrätzen dürfte, andererseits einen etwas unausgegorenen Gesamteindruck hinterlässt. Ein gehörige Portion Toleranz und Offenheit muss man für „Global Warning“ mitbringen, sonst wird sich der Spaß an dem Album in Grenzen halten. Klassische Stücke, wie man sie von Oliva kennt, sind eigentlich nur die grandiose Gänsehautballade „Firefly“ und das dramaturgisch gelungene „Open (up) your eyes“ (darüber, ob ein „up“ im Titel vorkommt, sind sich Booklet und Backcover nicht ganz einig). Ansonsten wirkt das Album sehr verspielt (was wie bei „Master“ nicht immer gelungen ist), dadurch aber auch interessanter und frischer.

Im Gegensatz zum nahezu uneingeschränkt empfehlenswerten „Manical Renderings“ ist „Global Warning“ mit Vorsicht zu genießen. Insbesondere alteingesessene Savatage-Jünger dürften ihre Schwierigkeiten mit dem Album haben, zumal man sich dem Eindruck nicht erwehren kann, dass nicht allzu lange an der Produktion getüftelt wurde, denn der Sound klingt merkwürdig blechern und ausgedünnt. Ungeachtet dessen ist „Global Warning“ allerdings ein Werk, mit dem es sich für Genrefans zu beschäftigen lohnt und das seine Qualitäten erst allmählich entfaltet.

Anspieltipps:

  • Firefly
  • Open up your eyes

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