Diamanda Galas - Guilty! Guilty! Guilty! - Cover
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Diamanda Galas Guilty! Guilty! Guilty!


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bereits 1955 in San Diego (USA) geboren, ist Diamanda Galas eine viel beachtete Performance-Künstlerin, Sängerin und Komponistin, die in der gesellschaftskritischen, von Amnesty International finanziell geförderten Oper „Un Jour Comme Une Autre“ die Hauptrolle spielte. Fast vier Oktaven umfasst die außergewöhnliche, dämonische Stimme der Amerikanerin, die neben Vocals für Alan Wilders Projekt Recoil auch für die „Dracula“-Verfilmung von Francis Ford Coppola ihre Stimme zur Verfügung stellte. Dabei bleibt es stets avantgardistisch und an manchen Stellen schier unerträglich schräg, wie auch das Live-Album „Guilty! Guilty! Guilty“ beweist, welchen nun über Mute in die Läden wandert und nur für Genre-Fans der etwas anderen Art von Musik interessant sein dürfte. Ihre Fangemeinde hat Diamanda Galas ja, was auf dem aktuellen Longplayer nicht immer nachzuvollziehen ist.

In düster-tragischen Liedern von Liebe und Tod bringt bereits beim Opener „8 Men And 4 Women“ das disharmonische Piano jede Menge Unheil ins Spiel, das von verstörenden Sprach-Samples unterstützt wird. Zum Glück nimmt das Piano relativ schnell eine rhythmische Komponente auf, an der man sich in diesem wirren Gesamtkonstrukt zumindest partiell orientieren kann. Wenn dann Miss Galas allerdings einem Frosch gleichend zum übelsten Quäken ansetzt, bleibt das Musik-Verständnis auf dem Boden und wird durch pure Avantgarde ersetzt, die in all ihrer Schrägheit keinen roten Faden verfolgt und dadurch an einigen Stellen quasi unhörbar wird. Für denjenigen, der komplett auf Pop-Tendenzen und den damit einhergehenden harmonischen Momenten verzichten kann, vielleicht ein Versuch wert, aber alle anderen fragen sich doch recht schnell, wieviel Kunst es benötigt, um Musik zu zerlegen.

Dabei gibt es gute Momente. Nämlich immer dann, wenn sich Diamanda Galas auf ihre tiefe, herausragende Stimme ohne diese störenden Ausbrüche beschränkt und das Piano in Jazz-Manier erhaben ihr außergewöhnliches Organ unterstreicht. Die Balance von Zurückhaltung und Extravaganz, wie sie beispielsweise Björk nahezu perfekt beherrscht, hat auf „Guilty! Guilty! Guilty!“ eine Schlagseite, die zu oft mit alles überdeckender Avantgarde den Hörer verstört. Wenn man sich zum Beispiel das sanfte, fast fragile „Interlude“ anhört, ist es schon schade, dass in der Gesamtheit so ein Werk herauskommt, welches kaum am Stück zu hören ist und leidlich an der Kunst-Hürde hängen bleibt.

Anspieltipps:

  • Interlude (Time)
  • Heaven Have Mercy

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