The Indelicates - American Demo - Cover
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The Indelicates American Demo


  • Label: Weekender/INDIGO
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Es tauchen im Musikzirkus immer wieder Bands auf, die von den Kritikern hochgelobt werden oder auch durch die grosse und mächtige Internetgemeinde rasanten Hörerzulauf erhalten. Da gab es schon so manche Enttäuschung, doch im Falle der britischen Indelicates haben wir Glück: Sie rechtfertigen ihren Ruf als Geheimtipp eindrucksvoll und ihr Debütalbum belegt ihr riesiges Talent.

Den Gesang und die Kompositionen übernehmen Simon Clayton und Julia Clark-Lowes, wobei ersterer sich früher allein als Dichter und Sänger betätigte und Julia bei der Indie-Frauenband The Pipettes sang. Zusammen mit Gitarrist Adam Clayton, Bassistin Kate Newberry und Schlagzeuger Ed van Beinum entführen die Briten den Hörer in eine Welt voller Mini-Musicals, die geschickt mit Rockmusik durchtränkt werden und mit ihrer Intensität und Spielfreude einfach nur begeistern. Als Produzent gab Brian O'Shaughnessy seine Visitenkarte ab, der auch schon mit Primal Scream zusammenarbeitete.

Simon irritiert mit ständig heiser klingender, fast gepresster Stimme, die aber nach der Eingewöhnungsphase richtig Gefallen findet. Julia bevorzugt die varieteerprobte, durchdringende und hohe Stimmlage, die fast immer Musicalcharakter besitzt. Zeitweise geht sie aber in einigen Tracks durchaus dunkler zu Werke, „Heroin“ ist da ein Beispiel, die Intensität der beiden Sänger ist erschütternd und man kann nur staunen wie man von dem Song wunderbar mitgerissen wird. Die Texte sind nicht für den einmaligen Gebrauch bestimmt, sie enthalten interessante Themen, die zum Nachdenken anregen und besitzen insgesamt ein sehr hohes Niveau.

Bei jedem Durchlauf der 13 Tracks wächst die Bewunderung wie gekonnt die Songstrukturen aufgebaut wurden, die aus fast jedem Track ein Klangerlebnis werden lassen. „Stars“ beginnt ganz sanft mit Glöckchentönen, untermalt von fast undefinierbaren Geräuschen, die Geigen zu beinhalten scheinen, Julia singt einfach nur engelsgleich, dabei werden die Geigen lauter gedreht und nach zwei Minuten kommen die anderen Instrumente einschliesslich harter Gitarre dazu und vollenden eine Indie-Rock-Perle der hörenswerten Art, die Julias Gesang dominiert und veredelt. Das sehr nachdenkliche „If Jeff Buckley had lived“ mit akustischer Gitarre und Gänsehaut erzeugendem Gesang Simons verblüfft mit düsterer Thematik und dieser sehr sanfte Song hat soviel Qualität, dass es fast wehtut.

Ob Simon und Julia zusammen singen oder einzeln ihr Können zelebrieren scheint nebensächlich, denn beide Varianten verzaubern auf ganzer Linie. Piano, Geigen, Gitarren und Drums mischen die zwei gekonnt zu einem wohlklingenden Mix zusammen, der immer wieder aufregende Kombinationen hervorbringt, die trotzdem auch noch eine gewisse Eingängigkeit beherbergen. Zarte und härtere Töne beherrschen sie gleichermassen und das Album enthält eine breite musikalische Abwechslung, der Indie-Rock als Stammzelle ist aber unüberhörbar. Stundenlang sucht man den Ausfall- oder Mittelmaßsong auf diesem Longplayer, es gibt ihn einfach nicht!

Bei aller entfachten Euphorie bekommen The Indelicates die Chance beim nächsten Mal das Prädikat „Klassiker“ zu bekommen, sie sind haarscharf daran vorbeigeschrammt und man kann sich auf die nächsten Taten der fünf Musiker freuen.

Anspieltipps:

  • The Last Significant Statement To Be Made In Rock‘n’Roll
  • Stars
  • New Art For The People
  • If Jeff Buckley Had Lived
  • America
  • Heroin

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