Blackmail - Tempo Tempo - Cover
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Blackmail Tempo Tempo


  • Label: City Slang/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Man spürt bei der neusten Platte gleich zu Beginn, was Kurt damit meint, wenn er sagt „wir wollten es diesmal nicht zu dicht machen“.

1997 veröffentlichte die laut damaligen Kritikern größte deutsche Hoffnung feiner Indie/Grunge/Indie-Rockmusik ihr Debütalbum. In Kennerkreisen gelobt, von den Massen kaum wahrgenommen, entwickelten die vier Koblenzer ihren Stil von Album zu Album immer weiter, kamen nach und nach vom Grunge ab und begaben sich immer tiefer in Indie-Gefilde. Der von Kritikern und Presse erzeugte enorme Druck wurde zusätzlich durch das damalige Label verstärkt, doch der bescheinigte große Durchbruch blieb aus. Nachdem es der Band immer schwerer fiel, unter diesem Druck nicht zusammenzubrechen, suchten sich die Jungs um die beiden Brüder Kurt (Gitarre, Produzent) und Carlos (Bassgitarre) Ebelhäuser vor ihrem letzten Werk ein kleineres Label. Und so spürte man schon bei „Aerial View“, wie befreit die Band plötzlich losspielte. Auf dem aktuellen nunmehr schon sechsten Album wird dieser Trend fortgesetzt.

„Wir hatten uns schon immer selber diesen blöden Druck auferlegt. Alle Platten sind immer unter Druck entstanden. Das war uns diesmal scheißegal“, bestätigt auch die Band die diesmal sehr entspannten und ebenso kurzen (lediglich acht Wochen, beim letzten Album waren es ca. neun Monate) Aufnahmen. Dem voraus ging eine Vorproduktion im Sommer letzten Jahres, bei welcher zunächst alle Titel in derselben langsamen Geschwindigkeit entstanden. Damit nicht zu frieden rief Kurt damals zu seinen Mitstreitern: „Mensch macht, Tempo Tempo“ und schon war der Name geboren. Von den sieben Songs dieser Session sind allerdings nur zwei übrig geblieben. Der Rest der CD wurde dann im Laufe des Herbstes aufgenommen.

Man spürt bei der neusten Platte gleich zu Beginn, was Kurt damit meint, wenn er sagt „wir wollten es diesmal nicht zu dicht machen“. Die einzelnen Instrumente sind klar erkennbar, Dubbings der Gitarren oder der Gesänge werden bewusst nur als Akzentuierungen und nicht bei jedem Titel wie am Fließband eingesetzt. Dadurch wirkt die Platte rau und irgendwie auch wieder befreiend. Mit „False medication“ beginnt die Platte in etwa da, wo auf „Aerial View“ aufgehört wurde. Nur, man kann es nicht anders beschreiben, einfach besser! Dabei muss man die herausragende Leistung von Schlagzeuger Mario Matthias loben, denn was er trommelt, ist einfach grandios. „Mine me I“ setzt das positive Gefühl fort und gibt in der Bridge Streicherklänge zum Besten.

Zu Beginn von „(Feel it) day by day“ hat man das Gefühl, Oasis zu hören, auch die Stimme von Aydo Abay unterstützt diesen Effekt, der Refrain ist dann aber wieder Blackmail vom Feinsten. Auch hier besticht der ungewöhnliche Schlagzeugrhythmus. „The good part“ setzt sich mit den Problemen des Verlassen Werdens auseinander und besticht durch wunderschöne Akkustik-Gitarrenklänge. Auch Bassist Carlos profitiert von der reduzierten Spuranzahl auf dem neuesten Werk, wie in „It’s always a fuse to live at full blast“ zu hören, wo zunächst nur Bass und Schlagzeug vorhanden sind, der Song sich nach hinten allerdings immer weiter öffnet.

Einige der Titel wirken allerdings durch die einfacheren Arrangements und der reduzierten Instrumentenanzahl belanglos. „Shshshame“ ist ein solcher Fall, bei dem der Ideenreichtum vermisst wird und die Akkorde lediglich durchgeschrammelt werden. Ein solcher simpler Pop-Rocksong will einfach nicht zu den vier Jungs passen. Auch bei „Speedluv“ zeigt der Daumen eher nach unten. Trotz allem muss man sagen, dass „Blackmail“ mit ihrem 6. Longplayer ein großes Werk geschaffen haben! Dabei entdecken sie kein neues Genre, erzeugen keine noch nie gehörten Klänge, bestechen jedoch mit ihrem melodischen melancholischen und trotz reduzierter Spurenanzahl fettem Indie-Rock und werden sicherlich mit diesem Werk ihre vielleicht kleine aber dennoch begeisterte Fanschar um ein weiteres Stück vergrößern können.

Anspieltipps:

  • The good part
  • False Medication
  • U Sound
  • So long goodbye

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