Schandmaul - Anderswelt - Cover
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Schandmaul Anderswelt


  • Label: F.A.M.E. Recordings
  • Laufzeit: 52 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Echte Schandmaul-Rocker mit Ohrwurm-Garantie.

Beim letztjährigen Wacken Open Air sorgten Schandmaul für eine echte Überraschung: der Platz vor der Bühne war bis zum Bersten gefüllt und die versammelte Metal-Gemeinde hüpfte und klatschte zu den eingängigen Mittelalter-Hymnen der sympathischen Folk-Rocker. Dieser Auftritt brachte die Faszination der Folk-Rock Szene genau auf den Punkt: hier feiert der Pop-Normalo neben dem Gothic und der langhaarige Kuttenträger neben dem Mittelalter-Freak. Schandmaul verkörpern diese Idee seit jeher perfekt und legen nun mit ihrem neuesten Album „Anderswelt“ eine Scheibe vor, die ihren Status in der Szene weiter festigen soll. Somit geht es auch gleich los mit einem geradezu urtypischen Schandmaul-Rocker: Bei „Frei“ treffen Dudelsack-Melodien auf E-Gitarren und Sänger Thomas Lindner drückt dem Song mit seiner unverwechselbaren Stimme seinen Stempel auf. Ein gelungener Einstieg, nur leider grenzt der Refrain schon hart an Selbstkopie: „Vogelfrei“ vom Album „Narrenkönig“ klingt doch verdächtig ähnlich.

Innovativer klingt da schon das für Schandmaul-Verhältnisse relativ harte „Krieger“, das mit zweistimmigem Gesang und der leicht düsteren Grundstimmung durchaus zu gefallen weiß. Man kann gespannt sein, wie sich diese Nummer in das Live Set der kommenden Tour eingliedert. Ausgerechnet der darauf folgende Titelsong „Anderswelt“ geht beim ersten Mal hören noch etwas am Ohr vorbei und pendelt irgendwo zwischen Midtempo-Rock und Ballade. Nach einigen Durchläufen kann man aber auch an dieser Nummer durchaus Gefallen finden. Zu den echten Höhepunkten der Scheibe zählt sie trotzdem nicht.

Den Mittelteil der Scheibe markieren einige leider abermals eher mittelmäßige Songs der Marke „Königin“, „Die Braut“ und „Augen Auf“. Insgesamt fällt auf, dass das Vorgängeralbum „Mit Leib und Seele“ eine Spur dunkler und rockiger ausgefallen ist. Im Gegensatz dazu spielen sich die meisten Songs der „Anderswelt“ eher im midtempo-folkigen Bereich ab. Dafür stehen die im Mittelalter-Märchen-Stil gehaltenen Texte mehr im Mittelpunkt. Das Band typische Augenzwinkern ist kaum zu überhören, nicht zu unrecht haben sich Schandmaul schon immer den Hofnarren als Zeichen gewählt. Übertrieben düsteres Auftreten überlassen sie seit jeher ohnehin lieber anderen Szenekollegen.

In der zweiten Hälfte des Albums gibt es nach dem eher mittelmäßigen Zwischenteil tatsächlich noch einige echte Highlights zu hören: das obligatorische Instrumental „Fiddlefolkpunk“ könnte eine gute Eröffnung für künftige Konzerte abgeben, der „Wolfsmensch“ ist noch einmal ein echter Schandmaul-Rocker mit Ohrwurm-Garantie und das abschließende Schlaflied „Prinzessin“ beschließt die Scheibe verträumt.

Auch wenn sich neben einigen sehr starken Songs durchaus die eine oder andere durchschnittliche Nummer eingeschlichen hat, bekommt der Schandmaul Fan in der „Anderswelt“ die Vollbedienung: 14 Songs wie sie großteils für die Band typischer nicht sein könnten. Das ungewöhnlichste ist da noch das Albumcover, das sich nicht so recht in die bisherigen Veröffentlichungen einfügen will. Die Anhängerschaft wird die Scheibe also lieben, neue Fans werden die Schandmäuler damit aber wohl kaum gewinnen können. Dennoch ist die „Anderswelt“ ehrlich, folkig, mittelalterlich und vor allem eines: Schandmaul.

Anspieltipps:

  • Krieger
  • Fiddlefolkpunk
  • Wolfsmensch

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