Übermutter - Unheil - Cover
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Übermutter Unheil


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 44 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Gute Musik braucht ein gutes Konzept. Dass dürfte sich auch Lucilectric alias Üebermutter-Initiatorin Lucy van Org gedacht haben, die mit ihrer neuen Band und dem Debüt „Unheil“ nicht nur ganz gehörig provoziert, sondern zudem großen Unrat produziert hat. Gekleidet im SM-Militärlook mit teils pseudo-sozialkritischer, teils feministischer Lyrik, geht sie auch musikalisch mit dem Holzhammer vor. Stampfender Rock mit Industrial-Anleihen und leichter Gothic-Atmosphäre, wie wir sie von Rammstein und Konsorten kennen, beherrschen das Klangbild, die Songtitel werden durch Zitate verschiedenster Literaturepochen (Nietzsche, Sueton, Plato, Schiller, sogar Jesus und Gott dürfen einmal ran) untermauert und Lucy van Org selbst rollt in einer ironiefreien Nina Hagen-Kopie anrüchig das „R“.

Soweit so schlecht. Dass hinter Üebermutter das Label Roadrunner steht, mag man anfangs gar nicht für möglich halten, denn abgesehen von vielen peinlichen, mit gelegentlich verharmlosten, nationalsozialistischen Propagandaslogans und keineswegs aufsehenerregenden Textzeilen, die durch ihre plakative Ausdrucksweise, sowie einem banalen „Reim dich oder ich fress dich“-Schema geradezu infantilen Charakter bekommen („Unheil Üebermutter! Führe uns in Versuchung, unerlöse uns von dem Bösen“), haben Michael Brettner (Gitarre), Peggy Junghanns (Gitarre), Anja Schlemm (Bass) und Sabine Ahlbrecht (Schlagzeug) dem Ganzen nichts hinzuzufügen. Stur, uninspiriert und auf ein und demselben Riff wie diverse Bands der NDH (Neue Deutsche Härte) verharrend, machen die Vier langweilige Miene zum blöden Spiel Lucy van Orgs.

„Mein erklärtes Feindbild sind Leute wie Roger Cicero, der ein völlig überholtes Frauenbild des 50er Jahre-Frauchen-Miefs transportiert und all diese verkackten Typen, die für Barbara Schöneberger Fake-Emanzipations-Platten texten! Das macht mich wirklich wütend. Mit „Unheil“ erklären wir diesen Leuten definitiv den Krieg!“ erklärt Feldwebel van Org. Ob das mit Texten wie „Ich rufe dich bei deinem Namen / Du seist erwählt mich zu besamen / Und zier dich nicht und mach dich hart / Für´s Fortbestehen unserer Art / Zeuge mir Legionen, die meine Welt bewohnen / Diene, diene der Gebärmaschine“ die richtige Kriegserklärung ist, darf jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass die Mittel, mit denen die Berlinerin hantiert, keineswegs spannend, interessant oder gar aufrührerisch sind, sondern schlicht und ergreifend ein billiger Vorwand um sich wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. „Wollt ihr das totale Lied?“ heißt es im Titeltrack. Nein, danke. Lass mal!

Anspieltipps:

  • Unheil
  • Gebärmaschine
  • Wein´ mir ein Meer

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