In Flames - A Sense Of Purpose - Cover
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In Flames A Sense Of Purpose


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Refrains und Riffs wirken stellenweise ziemlich uninspiriert und Höhepunkte ziehen im Vergleich mit zwingenderen Songs aus früheren Zeiten meistens den Kürzeren.

Mut zur Hässlichkeit wird in Hollywood oft mit einem Oscar belohnt. Würden Alben einen erhalten, hätte das neue Langeisen der Schweden-Combo beste Chancen auf die Trophäe, denn abgesehen von den Fratzen auf „Phideaux – Doomsday afternoon“ ist dem Autor in seinem fantastischen Leben noch kein hässlicheres Cover-Artwork unter die Augen gekommen. Ein Blick ins Innere offenbart weitere augenfeindliche Schmierereien, aber immerhin passt die als Digi-Pack im stabilen Schuber daherkommende Verpackung der zur Rezension vorliegenden Limited Edition, welche neben dem Album eine randvoll gepackte DVD über die Entstehung des inzwischen neunten Studioalbums beinhaltet.

Was die musikalische Qualität betrifft, konnte mit „Come Clarity“ (2006) nach dem desaströsen „Soundtrack to your escape“ (2004) ein Aufwärtstrend verzeichnet werden. „Come Clarity“ erschloss sich mit seinem nicht immer offenkundigen, nichts desto trotz hittauglichen Melodien, erst nach und nach. Es stellte eine gelungene Symbiose aus den alten und neuen In Flames dar und wird auch aus diesem Grund von nicht wenigen Fans als eines der besten In-Flames-Alben angesehen. Auf jeden Fall war „Come Clarity“ ein weiterer Markstein der Bandhistorie und „A sense of purpose“ hat nun die schwierige Aufgabe, sich nicht vom Schatten des großen Vorgängers erdrücken zu lassen. Das gelingt mit der eröffnenden Single „The mirror's truth“ zunächst hervorragend. Eingängigkeit und Aggressivität gehen hier eine überzeugende Verbindung ein. In Flames in Reinkultur!

Erstes Ungemach droht mit dem anschließenden „Disconnected“, das allein schon wegen seiner textlichen Bankrotterklärung ein geeigneter Kandidat für die Skip-Taste ist. Ähnlich verhält es sich mit dem schlichtweg belanglosen „Sleepless again“, auch wenn die melodischen Parts ganz gefällig ausfallen. Aufhorchen lässt jedoch erst wieder „Alias“, das mit seinem gedrosselten Tempo und einprägsamen Refrain richtig Laune macht. Einen angenehmen Kontrast hierzu stellt das folgende „I'm the highway“ dar, wobei der Refrain ziemlich einfallslos klingt. Richtig fett wird’s mit „Delight and angers“. Einer dieser Pure-Energy-Tracks, für die man die Schweden so liebt. Sänger Anders Fridén legt sich hier voll ins Zeug. Auch „Move through me“ ist durchaus zwingend, wobei dem Song zur Auflockerung ein wenig mehr „Catchiness“ gut bekommen wäre. Eine Überdosis davon gibt’s dafür im achtminütigen „The chosen pessimist“. Der Song ist mit Sicherheit der Ungewöhnlichste im Schaffen dieser Band und wird bei einigen Hörern bestenfalls auf Unverständnis, wenn nicht auf Verärgerung stoßen. Ein solches Stück würde man eher mit Opeth und Konsorten in Verbindung bringen, aber doch nicht mit In Flames. Dennoch kann man diesen ersten Gehversuch auf ungewohntem Terrain als gelungen ansehen. Gerade zum Ende hin wuchtet sich der Song zu epischer Größe auf, selbst wenn man ständig das Gefühl hat, dass hier noch mehr drin gewesen wäre. In Zukunft bitte mehr davon!

In wieder vertrauteren Melodic-Death-Gefilden bewegt sich „Sober und irrelevant“. Kein Highlight, aber zum Saurauslassen allemal geeignet. Um es kurz zu machen: Numero 10, 11 und 12 („Condemned“, „Drenched in fear“ und „March to the shore“) gehen als weitere Anspieltipps über die Ziellinie, was vor Allem der Tatsache zu verdanken ist, dass In Flames ihr Gespür für unverschämt ohrwurmtaugliche Refrains nicht verloren haben, selbst wenn sie sich in dieser Disziplin nicht in absoluter Bestform präsentieren.

Fazit: „Come Clarity“ erwies sich nach längerer Beschäftigung als Grower, war abwechslungreich und wirkte phasenweise recht entspannt. Dagegen nimmt sich „A sense of purpose“ trotz eines höchst ungewöhnlichen Stückes relativ gleichförmig aus. Außerdem hätte Anders Fridéns Gesang ruhig variabler ausfallen dürfen. Refrains und Riffs wirken stellenweise ziemlich uninspiriert und auch die beschriebenen Höhepunkte ziehen im Vergleich mit zwingenderen Songs aus früheren Zeiten meistens den Kürzeren. Damit dürfte es das Werk schwer haben, am Jahresende irgendwelche Spitzenpositionen zu erklimmen, aber ungeachtet dessen lässt „A sense of purpose“ keinen Zweifel daran, dass In Flames zur Speerspitze des Genres gehören. Ein mehr als solides Album einer großartigen Band. Und das Artwork kann man ja mit Paketband überkleben.

Anspieltipps:

  • Alias
  • Condemned
  • Drenched in fear
  • The mirror's truth
  • Delight and angers
  • The chosen pessimist

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