Portishead - Third - Cover
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Portishead Third


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Fangemeinschaft von Portishead musste schon immer viel aushalten. Denn von Konventionen oder Zwängen durch die Musikindustrie oder eben den Fans hat sich die dreiköpfige Band aus Bristol nie beirren lassen und strikt immer und zu jeder Zeit den Weg eingeschlagen, der ihnen am besten schien. Diese Entwicklung begann mit ihrer Gründung 1991. Gelangweilt von dem Aufkommen der Rave-und Grunge-Szene schaffte es Sängerin Beth Gibbons gemeinsam mit Geoff Barrow und Adrian Utley mit ihrem Debüt „Dummy“ 1994 die komplette Musikszene auf den Kopf zu stellen. Das Album wird sicher aufgrund seiner Einzigartigkeit aus den CD-Regalen dieser Welt nie wieder verschwinden.

Nicht nur im guten alten Europa waren die Konzerte der Engländer nach dem Release ausverkauft, auch die USA feierte die Band in vollen Hallen. Begeistert von den neuen Klängen und den schleppenden düsteren Arrangements gab es kein Halten mehr, wenn man der Truppe einmal verfallen war. 1997 erschien ihr Zweitling „Portishead“, der mehr selbst eingespielte Instrumente bot und aus diesem Grund wesentlich rauer daherkam. Trotz dieses grundlegenden Einschnittes waren die Fans vom neuen Album gleichermaßen begeistert und fasziniert. Anschließend legte die Band jedoch sehr zum Leitwesen ihrer treuen Anhängerschaft eine siebenjährige Pause ein. Erst im Februar 2005 standen die Drei wieder gemeinsam auf der Bühne und sorgten für ein Aufquellen der Gerüchte um ein neues Album. Angefüttert wurden diese zusätzlich durch die Veröffentlichung zweier Demosongs im August 2006 auf ihrer Internetseite. Im Oktober letzten Jahres war es dann endlich soweit: Das dritte Studioalbum mit dem zugegebenermaßen nicht wirklich einfallsreichen Titel „Third“ wurde offiziell angekündigt.

Und auch das neueste Werk wird sicherlich wieder für Kopfschütteln bei einigen Fans sorgen, denn wie zu erwarten war, finden wir auch diesmal neue musikalische Entwicklungen. Das beginnt schon mit dem Opener „Silence“, bei welchem gesampelt wurde, was die Technik hergibt. „Verstört“ oder auch „zerrissen“ beschreiben wohl am besten die fast nicht vorhandene Struktur des Titels. Das abrupte Ende lässt einen sofort wieder wissen, warum man die Band schon immer mochte, denn kaum eine andere Truppe lässt einen so glücklich allein im Regen zurück, wie Portishead. „Hunter“ hingegen könnte man fast, falls so etwas existiert, als typischen Song der Band beschreiben. Die Dominanz langsamer Beats gepaart mit der wundervollen tieftraurigen Stimme Gibbons lässt in einem sofort das typische Portishead-Gefühl wieder hochkommen.

So ziemlich alle Klänge wurden diesmal zunächst, wie auf dem letzten Werk auch, selbst eingespielt und im Anschluss gesampelt. Dabei merkt man Barrow seine Erfahrung mit Remixen, welche er in der Bandpause unter anderem auch für Paul Weller machte, stark an. Einer der absoluten Höhepunkte ist „The rip“. Schon allein die zumindest zu Beginn dilettantisch gezupfte Gitarre macht diesen traurig-rau-schmerzhaften Song zu einem Meisterwerk. Zunächst ohne jegliche Beats auskommend und auf das minimalste reduziert öffnet sich der Song zum Ende hin immer weiter und wirkt dadurch trotz seiner Melancholie befreiend. Ja sind wir denn auf Hawaii? Diese Frage oder zumindest die nach der falsch eingelegten CD kommt bei den Ukulelenklängen von „Deep water“ auf. Im darauffolgenden „Machine gun“ schießt es dann aus allen Löchern, harte elektronische Beats mit einer ungewöhnlichen Melodieführung sorgen ein weiteres Mal für Faszination. Dabei verlieren sich die drei Briten allerdings fast schon eine Spur zu sehr in den verschachtelten Strukturen, was dem Song nicht unbedingt gut bekommt. Glücklicherweise bleiben solche Probleme aber die Ausnahme.

Musikalisch legen Portishead also ein weiteres Mal eine Schippe drauf und bleiben in ihrer Entwicklung alles andere als stehen. Selbst der Albumtitel scheint eigentlich nur ein weiterer Beweis dafür zu sein, dass es der Band egal ist, was die Welt von ihnen erwartet. Warum einen absolut extravaganten Titel wählen, wenn dieser hier für mehr Aufsehen und Kopfschütteln sorgt. Man kann nur hoffen, dass sich die Musiker weiterhin über jegliche Konvention hinwegsetzen und ihrem Stil treu bleiben: Niemals auch nur eine Sekunde auf Stelle zu treten!

Anspieltipps:

  • Hunter
  • The rip
  • Small
  • Magic doors

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