Thrice - The Alchemy Index Vols. III And IV: Air And Earth - Cover
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Thrice The Alchemy Index Vols. III And IV: Air And Earth


  • Label: Vagrant/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie versprochen, folgt gute fünf Monate nach der Veröffentlichung der ersten beiden Teile des Thrice-Konzeptwerks „The Alchemy Index“ über die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft die Fortsetzung mit den letzten Puzzleteilen der auf vier EPs á sechs Songs ausgelegten Esoterik-Spielerei. Wie es mit der Band danach weitergeht, steht in den Sternen, denn zurzeit stehen die Jungs aus Orange County ohne Plattenvertrag da. Doch Sorgen sollten sich Thrice keine machen. Spätestens mit den jetzt vorliegenden finalen Epen „Air“ und „Earth“ stoßen sie sämtliche Türen auf. Stilistische Limitierungen kennt diese Band nämlich keine. Der Post-Hardcore-Helden-Stempel darf getrost abgekratzt werden.

Wer sich musikalisch dem Thema Luft annimmt, und dabei alles richtig macht, darf sich sicher sein, dass mindestens zwei von drei Rezensenten das Wort „luftig“ in ihren Besprechungen verwenden, um die Songs der „Air“-CD zu beschreiben. Und in der Tat legen Thrice alle Fesseln der Rockmusik ab. Zwar kommen im Opener „Broken lungs“ noch ein paar lautere Gitarren zum Vorschein, die sich langsam aufbauen und in einer finalen Hardcore-Eruption enden, doch schon an dieser Stelle wird klar, dass die E-Gitarre auf „Air“ lediglich ein begleitendes Element darstellt. Im nervös zuckenden „The sky is falling“ dominiert z.B. das variantenreiche Schlagzeugspiel von Riley Breckenridge, während sich das hypnotische „A song for Milly Michaelson“ Sigur-Rós-artig an den Hörer heranschleicht.

Am Ende der ersten EP wird es in „Silver wings“ sogar elektronisch, so etwa im Stil von Angels & Airwaves. Zarte Synthieklänge schweben zu pluckernden Beats aus den Boxen und verbreiten in Kombination mit dem engelsgleichen Gesang von Dustin Kensrue puren Wohlklang mit Gänsehautfaktor. Wunderbar! Dennoch gibt es einen Grund zum Ärgern. Denn als Hörer wünscht man sich, von der Musik ganz verzaubert, mehr als nur zwei Minuten davon. Wirklich schade, dass der Song so kurz ist. Aber sei’s drum. Auf zur zweiten EP!

„Earth“ ist – wie soll es auch anders sein? – eine musikalisch äußerst, ähem, erdige Angelegenheit, die den Hörer in einen staubigen Saloon im Wilden Westen führt. Mit Banjo, Westerngitarre, Pianounterstützung und schmerzvoll eindringlichem Gesang kreieren Thrice Soundlandschaften zwischen Tom Waits und 16 Horsepower. Blues heißt hier das Zauberwort, mit dem das Niveau der „Air“-EP locker gehalten wird. Und wieder gibt es einen, nein, sogar zwei grandiose letzte Songs („Come all you weary“, „Child of dust“), mit denen sich Thrice verabschieden und Stille hinterlassen. Stille, die man nach dem Genuss von „The Alchemy Index Vols. III & IV: Air And Earth“ auch dringend benötigt, um das Gehörte verarbeiten zu können.

Mit den „Air & Earth“-EPs übertreffen Thrice die „Fire & Water“EPs um Längen und legen damit ihr bisheriges Meisterwerk vor. Mit Hardcore hat das Ganze freilich nichts mehr zu tun. Und das ist auch gut so. Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass sich diese Band stilistisch in keine Ecke drängen lässt und damit richtig gut fährt. Das sollte sich keine Plattenfirma entgehen lassen, denn sonst entgeht uns, den Musikhörern, vielleicht in Zukunft eine grandiose Band, die sich bisher hinter Lärm und Gebrüll versteckt hat.

Anspieltipps:

  • Daedalus
  • Silver wings
  • Child of dust
  • As the crow flies
  • Moving mountains
  • Come all you weary
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