Lichter - Lichter - Cover
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Lichter Lichter


  • Label: Loob Musik/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn man dem Booklet der vorliegenden CD Glauben schenken darf, war das selbstbetitelte Debütalbum der deutschen Band Lichter bereits Ende 2006 fertiggestellt. In welchem Giftschrank es bis zu seiner Veröffentlichung im März 2008 gelegen hat, erfährt man leider nicht. Auch der Waschzettel des Labels schweigt sich dazu aus. Keine bösen Majors, die den nicht gerade frickelfreien deutschsprachigen Studenten-Indie-Pop aus Bonn/Paderborn/Hannover/Hamburg trotz eines gültigen Vertrages auf die lange Bank schoben, keine mitunter erfundenen Geschichten von inneren Dämonen und gescheiterten Zeitplänen, die eine frühere Veröffentlichung von „Lichter“ verhinderten. Dramatische Promotion-Stories haben Lichter anscheinend nicht nötig – oder es sind ihnen keine eingefallen. Keine Ahnung, aber dann soll es halt so sein.

Obwohl der Bandname etwas anderes ausdrückt, ist die Musik von Lichter irgendwie traurig. Popmusik zwar, aber nicht auf Anhieb zugänglich. Da werden leicht schräge Harmonien schon mal so lange hin und her geschoben, bis es passt. Und die Texte von Sänger und Gitarrist Mathias Mauersberger sind auch nicht unbedingt leichte Kost. Damit hebt sich das Quartett (neben Mastermind Mauersberger sind dies Claus Schulte am Schlagzeug, Philipp Gosch am Bass und Vera Mohrs als zweite Stimme sowie an Keyboard, Cello und Klavier) von der üblichen, schrammelden Deutsch-Indie-Armada ab und gesellt sich in dieselbe Ecke wie die Kollegen von Delbo und Klez.e. Kein Wunder, hat doch Tobias Siebert (Phillip Boa) an den Reglern gesessen, der bei beiden genannten Gruppen beschäftigt ist und sofort Feuer und Flamme für Lichter war.

Wenn sie wollten, könnten es sich Lichter gewiss einfacher machen. Denn Stücke wie „Unter Tieren“, „Hier geht etwas vorbei“ und „Radar“ zeigen ganz deutlich, dass die Band in der Lage ist, einfache und zugängliche Melodien zu schreiben. Aber das ist den Vieren scheinbar zu wenig Kunst, denn die wirklich einmal eingängigen Parts werden auf ein Minimum eingedampft und in progressiven Songs „versteckt“, die auf fünf bis sieben Minuten Spielzeit gestreckt werden. Dabei kann man sich gar nicht vorstellen, dass die Stücke live eingespielt wurden, so vielfältig und komplex wie sie klingen. Aber wie sagten in einem Interview so schön: „Immer, wenn es uns zu leicht wird, werden wir von einer inneren Stimme gezwungen, irgendwo Brüche oder Details einzubauen“. Exakt so klingt das Album dann auch: Spannend, schräg, genial und ein bisschen wirr.

Anspieltipps:

  • Platz
  • Radar
  • Unter Tieren
  • Hier geht etwas vorbei
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