Attacke Royal - Ausverkauft - Cover
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Attacke Royal Ausverkauft


  • Label: Four Music/SonyBMG
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Als hätte so ein schlaues Kerlchen aus der Promotionabteilung geahnt, dass es bei dieser Gruppe bzw. diesem Album schwer werden würde, griffige Anhaltspunkte und den gewissen Wiedererkennungswert zu entdecken, endet die Biographie von Attacke Royal mit dem Satz: „Lasst euch berühren – oder ärgert euch. Hauptsache, ihr empfindet.“

Auch wenn dieses Zitat von Sänger Jan Neidigk aus dem Zusammenhang gerissen scheint, übersetzt klingt es ungefähr wie „egal ob ihr Attacke Royal gut oder schlecht findet – bitte, bitte schreibt über uns!“ Verstanden! Denn im Endeffekt ist schlechte Presse immer noch besser als gar keine. Und überhaupt, man kann ja ruhig mal was für den Rock-Nachwuchs im eigenen Land tun. Aber was in drei Herrgottsnamen ist über diese fünf Jungs zu berichten, die auf ihrem Debütalbum verdächtig nach einer B-Seitensammlung längst vergessener (aber rückblickend doch sehr guter) Deutschrockbands wie Nationalgalerie oder Selig klingen?

Noch rätseln wir und gewinnen erst mal Zeit: Attacke Royal sind Jan Neidigk (Gesang), Andy Ebsen (Gitarre), Boris Breuer (Orgel), Thomas Merkel (Bass) und Chris Falk (Schlagzeug). Vor fünf Jahren wurde die Band gegründet. Ihr Hauptquartiert steht in Berlin, die Mitglieder rekrutieren sich aber vornehmlich aus anderen Bundesländern. Damit können im Prinzip bereits zwei Schubladen geschlossen werden, denn weder Hauptstadtrock nach Hamburger Schule gibt es auf „Ausverkauft“ zu hören. Aber was gibt es dann auf die Ohren?

Große Melodien und große Gesten sind das Ziel von Attacke Royal, plakative Texte und Songtitel („Bye bye Kleinstadt“, „Liebeshölle“) das Stilmittel. Das ist natürlich nichts Neues, funktioniert aber nicht grundsätzlich, wie das Dutzend Songs auf „Ausverkauft“ deutlich macht. Beispiele gefällig? Here weg go: Ein Titel wie „Ein Sack voll Engel“ (im Duett mit Diane Weigmann) möchte liebend gerne eine große Hymne sein, tischt dazu dicke Gitarren- und Orgelwände auf, hat aber nicht im entferntesten einen Refrain, den man sich merken kann, „Bye bye Kleinstadt“ rockt ganz ordentlich, serviert aber nur textliche Plattitüden, „Alchemie“ und „Star“ sind Halbballaden, die überhaupt nicht auf den Punkt kommen und „Honig“ ein satter Totalausfall. Tja, und so geht das immer weiter, bis einem die Lust auf Attacke Royal total vergangen ist und kleine Highlights wie „Sexy“, „Indien“ und „Liebeshölle“ – die besten Tracks des Albums – auch nichts mehr retten können.

Anspieltipps:

  • Sexy
  • Indien
  • Für mich
  • Liebeshölle
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