Phantom Planet - Raise The Dead - Cover
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Phantom Planet Raise The Dead


  • Label: Fueled By Ramen/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
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Einen gewissen Personalschwund hat fast jede Band im Laufe ihrer Karriere zu überbrücken. Die einen wachsen daran und entwickeln sich mit neuen Mitgliedern und deren frischen Ideen weiter, andere gehen ein wie eine Primel, die nicht gegossen wird. Dramatische Folgen letztgenannter Art haben wohl auch die Verantwortlichen im Hause Epic Records für Phantom Planet befürchtet, nachdem Drummer und Mastermind, optisches Aushängeschild, Hollywood-Schauspieler und Coppola-Neffe Jason Schwartzmann die Band 2003 verlassen hat und ihm ein Jahr später Gitarrist Jacques Brautbar folgte.

Ohne ihre Chefdenker hatte die Plattenfirma der Band offenbar keinen weiteren Hit der Marke „California“ zugetraut und den Vertrag mit Phantom Planet aufgelöst. Da die verbliebenen Bandmitglieder Alexander Greenwald und Sam Farrar das Projekt aber nicht aufgeben wollten, haben sie sich mit Jeff Conrad als neuen Schlagzeuger sowie Darren Robinson an der Gitarre verstärkt und mit dem Warner Bros. Sublabel Fueled By Ramen einen neuen Vertragspartner gefunden, der das vierte Studioalbum in 14 Jahren Bandgeschichte nun auf den Markt bringt.

„Raise The Dead“ heißt der 12-Tracker, der eigentlich als Konzeptalbum (!) angedacht ist, aber nicht den üblichen Schrecken überkandidelter Handlungsstränge verbreitet, die musikalisch in Prog-Rock-Operetten-artige Songs verpackt werden; dazu sind die Jungs aus L.A. dann doch zu sehr im Pop verwurzelt. Dennoch gehen Phantom Planet heuer wesentlich kratzbürstiger ans Werk. Sie lassen die Gitarren fliegen („Dropped“), verschachteln die Songstrukturen zu spannenden „die Beach Boys treffen auf Muse“-Verrücktheiten („Raise the dead“) und beweisen nachhaltig, dass sie auch weiterhin eingängiges Material für die Charts abliefern können („Leader“, inklusive einem niedlichen Kinderchor).

Den renovierten Indie-Sound haben sich Phantom Planet offenbar von ihren britischen Kollegen abgeschaut. Denn ähnlich schräg und doch sofort ins Ohr gehende Stücke wie „Do the panic“, das mit Schubidu-Gesängen, Pferdewiehern und Schrammelgitarren um sich wirft, bringen sonst nur die Babyshambles zustande. Bezogen auf den amerikanischen Markt muss man jedenfalls sehr weit zurückblicken, um Vergleiche zu herrlich knarzenden Tracks wie „Ship lost at the sea“ oder „Demon daughters“ zu finden. Anfang der 90er Jahre hätte man solche Songs Bands wie den Breeders oder Pavement zugeschrieben. Heute sind Phantom Planet die Indie-College-Rocker der Stunde, die sich mit einem unkonventionellen und doch starken Album zurückmelden, das ihnen ihr altes Label nicht zugetraut hatte. Wir schon!

Anspieltipps:

  • Leader
  • Dropped
  • Do the panic
  • Ship lost at the sea

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