Elbow - The Seldom Seen Kid - Cover
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Elbow The Seldom Seen Kid


  • Label: Fiction/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„The Seldom Seen Kid“ ist ein Album, das von Song zu Song mehr Fahrt aufnimmt und bis zum Ende tatsächlich immer besser wird.

England hat nur wenige Bands, bei und mit denen der Hörer so wunderschön leiden kann wie Elbow. Die Meister der Melancholie melden sich nun mit ihrem vierten Studioalbum in acht Jahren zurück. „The Seldom Seen Kid“ verzichtet diesmal auf die Mithilfe eines externen Produzenten und ist sogar noch düsterer als der Vorgänger „Leaders Of The Free World“ (2005) geraten. Doch nach einer gewissen Eingewöhnungszeit packen die fünf Jungs aus Manchester den Hörer auch mit diesem schweren Stoff.

Die Poesie von Sänger und Texter Guy Garvey dreht sich um Liebe, Tod und Trennung – und von den ersten Tönen des Openers „Starlings“ an, verkriecht sich Garvey in ein musikalisches Schneckenhaus aus (in diesem Fall) sanft pluckernder Elektronik und zarten Streichern. Doch Elbow wären nicht Elbow, wenn sie nicht auch einen Song aus fünf Minuten bittersten Liebesschmerzes mit kleinen Sound-Verschrobenheiten aufpeppen würden. Und so jagen sie dem Hörer immer wieder ohne Ankündigung mit lauten Bläserfanfaren, die aus dem Nichts zu kommen scheinen, ins Boxhorn, ehe das beruhigende Elektro-Geplucker zurückkehrt und den Song behutsam weiterleitet.

Weitere Beispiele für den diesen ganz speziellen Elbow-Sound sind „Mirrorball“, das untermalt von Streichern und Pianotupfern gemächlich im Midtempo dahingleitet, „Grounds for divorce“, das mit stampfenden Beats zu sägenden Gitarren ungewöhnlich rockig aus den Boxen drängt, das zusammen mit Richard Hawley eingesungene „The fix“, das wie eine dunkle Gangsterballade klingt, sowie das minimalistische „Some riot“, das nur mit Garveys Stimme, etwas Bassbrummen und wunderschönen Pianoklängen auskommt und damit pure Gänsehautatmosphäre erzeugt.

„The Seldom Seen Kid“ ist ein Album, das von Song zu Song mehr Fahrt aufnimmt und bis zum Ende tatsächlich immer besser wird. Es birgt außergewöhnliche Texte („The loniless of a tower crane driver“, „Grounds for divorce“) und tolle Melodien („One day like this”, „Some riot”), die unterstreichen, dass der BritPop in dieser Form noch lange nicht abzuschreiben ist.

Anspieltipps:

  • Starlings
  • Some riot
  • Friends of ours
  • One day like this
  • Grounds for divorce

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