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Fotos Nach Dem Goldrausch


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem Goldrausch wird alles anders, oder etwa doch nicht? Die Fotos fördern mit ihrem Goldfiebrigen Silberling den Nachfolger Ihres selbst betitelten Debüts aus der Studio-Mine. Die Verzerrer und Verstärker wurden eine Spur herunter gepegelt und zum Vorschein kommen zehn erschlankte und Tanzflächige Funk-Pop-Nuggets, die manchmal böse blenden (Blattgold), hier und da hell erstrahlen (24 Karat reines Feingold) und die meiste Zeit angenehm glänzen (Vergoldet).

Blattgold: Vom annähernd selben Charme dünn gepresster Goldfolie beseelt, muss leider auf einige Darbietungen des neuen Albums die Redensart gemünzt werden: „Es ist nicht alles Gold was glänzt“. So preist Sänger Tom auf „Serenade“ zwar den strikten Boykott abendlicher Ständchen an, jedoch bekommt diese Nummer leider genau wie jene und tendiert mit ihrem Wiedererkennungswert stark gegen Langeweile. Das Gehörorganneutrale und beträchtlich auffällig unauffällige „Essen Schlafen Warten Und Spielen“, sowie das sich wie Kaugummi ziehend seichte „Ein Freak Und Ein Spinner“ können es da auch nur bedingt besser machen. Und die Titeltrack-Reprise „Kalifornien“, deren Remix-Charakter nicht annähernd den Charme des Opener erreichen kann, hätten die Jungs mal lieber ganz tief im akustischen Stollen des Vergessens versenken sollen.

Vergoldet: Den peppig frischen Sound ihres Debüts haben die Jungs aus Hamburg aber erfreulicherweise dennoch nicht gänzlich verloren. Sie haben ihn sogar um einige Nuancen erweitern und verfeinern können. Der im Blattgold bereits erwähnte Titeltrack besticht durch einen mit Funk angehauchten, typischen Fotos-Rock und schlägt gleich zu Beginn die güldene Brücke zwischen Erstling und neuem Album. Flotter, tanzbarer und eingängiger Pop wie auf „Ein Versprechen“ lässt genauso viel Freude aufkommen, wie die lässige Vermischung von Disco präparierten Slide Gitarren und rockigen Zwischenparts in „Das Ist Nicht Was Ich Will“. Hier glänzt es bereits gewaltig.

24 Karat reines Feingold: Das verschachtelte und mit dezent pulsierendem Elektronikbeat veredelte „Ich Häng An Dir Und Du Hängst An Mir“, sowie der Hit „Explodieren“, der mit schmissigem Refrain und treibenden Schlagzeug den Stollen ins Wanken bringt, servieren uns die Jungs dann schließlich auf dem goldenen Tablett ins Ohr. Ersterer, da er sich vom typischen Fotos-Muster deutlich entfernt und letztgenannter aufgrund seines außerordentlichen Charmes, mit dem die Band bereits auf Ihrem Debüt zu kleinen „Giganten“ avancierte.

Nach dem Goldrausch ist vor dem Goldrausch. Aber Vorsicht! Der Weg zum Weichspülprogramm ist gar nicht so weit. Und wenn die Fotos in Zukunft nicht im Schlageresken Terrain nach Gold buddeln möchten, sollten sie die vereinzelten Anleihen an den Softpop im Rockmantel Marke Virginia Jetzt! zügig in den Eimer stecken und ihren musikalischen Goldgräberqualitäten vertrauen, die sie in der Vergangenheit und auch auf „Nach dem Goldrausch“ zu wahren Songschätzen verleitet haben.

Anspieltipps:

  • Nach Dem Goldrausch
  • Ein Versprechen
  • Ich Häng An Dir Und Du Hängst An Mir
  • Explodieren

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