Hey Hey My My - Too Much Space - Cover
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Hey Hey My My Too Much Space


  • Label: Sober And Gentle Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Hey Hey, My My / Rock N’ Roll Can Never Die“. Diese Textzeile des zeitlosen Neil Young Klassiker stand Pate für den Namen der französischen Indie-Formation um die beiden engen Freunde und Gründungsmitglieder von „Hey Hey My My“ Julien Garnier und Julien Gaulier. Ihr in Frankreich selbst betiteltes Debütalbum erscheint mit Verzögerung nun auch bei uns. Allerdings verwirrender Weise hier unter dem Namen ihrer in der Heimat ebenfalls 2007 veröffentlichten EP „Too Much Space“. Et Voilà, la critique:

Dieses Titelnamenkarussell soll uns aber in Folgenden nicht weiter beschäftigen. Denn was zählt ist schließlich la musique! Und die hat es durchaus in sich. Die zwei Studenten mit den sich so unglaublich ähnelnden Namen trafen das erste Mal in Paris aufeinander. Und so wie namentlich, waren sie auch musikalisch sofort auf einer Wellenlänge. Ihre Vorlieben für Gitarrenmusik im Stile der Blonde Redheads, der Pixies und natürlich der Beatles sind demnach auch in jedem Takt der vierzehn Songs des Albums allgegenwärtig. Jedoch schaffen es die jungen Franzosen in eleganter Manier einen eigenen Charme an Tage zu legen, der keinesfalls die Kopie ihrer Idole widerspiegelt. Sie verlegten ihren Arbeitsspielraum von Paris nach Bordeaux und nach einem kurzen Ausflug in den Punk Rock („British Hawaii“), nannten sie sich fortan „Hey Hey My My“ und begeisterten ihr Live-Publikum mit schnörkellosem und eingängigem Gitarrenpop. Und auch auf Silberling und Vinyl gepresst überzeugen die Franzosen mit ihren ungemein lockeren und angenehmen Harmonien. Bereits der Opener „Merryland“ zieht mit seinem von Akustikgitarre getragenen Einstieg sofort in seinen Bann. Und spätestens wenn Julien (oder auch Julien) mit klarer Stimme dazu einsteigt und die Drums sachte einen Beat vorgeben, ist klar wohin diese Reise gehen wird. Bon voyage!

Das coole 60er Jahre Revival „I Need Sometime“, sowie die musikalische Hommage an John, Paul, Ringo und George auf dem Ohrwurm „It’s So Easy“, die im Refrain so herrlich verzogen klingt machen sofort Lust auf mehr. Etwas besinnlicher geht es dann in dem ebenfalls das Trommelfell umgarnende „Your Eyes When We Kiss“ zur Sache. Ein Liebeslied an die andere Frau die man statt der vermeintlich Liebsten in jenem Moment gerne küssen würde. So muss unterhaltsamer Folk-Pop klingen. Trotz des Bandnamens schütteln „Hey Hey My My“ anstatt krachendem Rock N’ Roll, scheinbar mühelos kleine aber feine Singer-Songwriter-Nummern aus dem Ärmel. Einziger Kritikpunkt ist das seit der ersten The Killers-Veröffentlichung grassierende „Hot Fuss-Syndrom“: Nach bereits den ersten vier Songs der Platte hat man bereits die absoluten Highlights hinter sich.

Und wahrscheinlich sonst wesentlich stärker funktionierende Stücke, wie das herrlich gezupfte „Poison“ oder das mit E-Gitarren verzerrt angehauchte „Celia“ verlieren dadurch an ihrer eigentlichen Durchschlagskraft. Dennoch sollte man keinesfalls nach den ersten 15 Minuten automatisch die Skip-Taste betätigen. Denn die meisten der folgenden Lieder können auch ohne den ganz großen Knall-Effekt eine angenehme Stimmung verbreiten. Ob beschwingt swingend wie auf „Don’t Sell Me Now“ oder auch experimenteller ausfallend, wie auf dem fünfminütigen und mit Abstand längsten Stück der Platte „In The Lake“. Die beiden Juliens haben Spaß und transportieren diesen auch gekonnt über die Boxen in des Hörers Heim, Ohr und Herz. Trés manifique!

„Too Much Space“ kann man ganz in der Tradition zeitloser, lebendiger und unterhaltsamer Gitarrenmusik einordnen. Von Anleihen in der Tradition von Simon & Garfunkel über den Kopfwackelrock der Fab Four bis hin zum magischen Song-Sog der Kings Of Convenience. Da ist für jeden etwas dabei. Melancholisch, melodiös und mit der Leichtigkeit des simplen Folks im Gepäck. Merci monsieurs!

Anspieltipps:

  • Merryland
  • I Need Some Time
  • Easy
  • Your Eyes When We Kiss
  • A True Story

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