Gisbert Zu Knyphausen - Gisbert Zu Knyphausen - Cover
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Gisbert Zu Knyphausen Gisbert Zu Knyphausen


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der 28-jährige gebürtige Hesse Gisbert zu Knyphausen wohnt nach Stationen in Berlin und Nijmegen nun in Hamburg, wo er bei einem Workshop wichtige Menschen für seine musikalische Zukunft kennenlernte und dieses neue Netzwerk für ein wirklich beachtliches Debütalbum nutzte. Man kann in der Tat froh sein, dass er nach anfänglichen Zweifeln durch das Bestärken seiner Freunde mit den ersten deutschsprachigen Songs vor 2-3 Jahren auftrat und sich danach eine Dynamik entwickelte, die ihm jede Menge Gigs einbrachte und die Mund-zu-Mund-Propaganda anheizte. Zusammen mit Frenzy Suhr (Bass), Gunnar Ennen (Gitarre, Tasteninstrumente), Sebastian Deufel (Schlagzeug) und Jens Fricke (Gitarre) ist dem Songwriter nicht nur ein Debüt mit musikalischer Reife gelungen, sondern auch ein wunderbar trotziger Textfluss, dem man gern lauscht und so manche Anekdote doch allzu gut kennt, so dass sich viele Textzeilen markant hervorheben.

Als Beispiel ein Zitat aus „Sommertag“, dem rockig beschwingten Indie-Hit: „Und alles was mir dann noch übrig bleibt, ein bisschen Zweisamkeit als Zeitvertreib. Das bisschen Herzschmerz, das bisschen Herzschmerz tut doch gar nicht so weh.“ In einem Theaterstück für das Saarländische Staatstheater war dieser Song begleitend und Gisbert nahm sich bei der letzten Vorstellung sogar Zeit, um diese live zu untermalen. Theatermusik reizt den Wahl-Hamburger sehr, auch wenn es auf dem selbstbetitelten Debüt wenig theatralisch zu Werke geht und man ganz bodenständig die Zicken des Lebens entkräftet, um ihnen in einer Art Teufelsaustreibung verpackt im Song zu entkommen. Dieses vorherrschende trotzige Weitermachen ist ein großer Bestandteil in den Texten von Gisbert zu Knyphausen und macht sie so wunderbar mitreißend.

Und landläufig als Hits betitelte Ohrwürmer mit Langzeit-Garantie gibt es während der 50 Minuten zu genüge. Schon der Opener „Neues Jahr“ mit dem Piano und den rockigeren Ausbrüchen, in den Gisbert gar verzweifelt seine Stimme einsetzt oder das folkig tröpfelnde „Erwischt“ mit dem scheppernden Refrain, in dem wieder eine gute Prise Rock wohnt und das gefühlte Weitermachen erleichtert. Neben druckvollen Auswüchsen dank dringlicher Gitarren zeigen sich auch Slide-Gitarre und sanfte Percussions von ihrer besten Seite, was dem ganzen die nötige Abwechslung gibt und vollkommen rund zwischen den Genres pendelt. Überhaupt: Es geht hier nicht um Einteilung, sondern um Erleben und Fühlen, was Gisbert dem Hörer kaum leichter machen könnte. Vollmundige Arrangements lassen immer wieder aufhorchen und erzeugen den allseits erhofften Suchtfaktor, während die authentischen, so liebevoll abgehangenen Texte einem den letzten Widerstand rauben, bei dieser Platte unberührt zu bleiben. Ein traumhafter Erstling!

Anspieltipps:

  • Erwischt
  • Wer Kann Sich Schon Entscheiden
  • Spieglein Spieglein
  • Sommertag

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