Tiamat - Amanethes - Cover
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Tiamat Amanethes


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 62 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Pünktlich zum 20jährigen Bandjubiläum erscheint mit „Amanethes“ das neunte Studioalbum von Tiamat - mittlerweile mehr denn je ein Soloprojekt von Johan Edlund. Während zwischen früheren Veröffentlichungen maximal 3 Jahre lagen, ließ sich Edlund mit „Amanethes“ stolze 5 Jahre Zeit. Zum Ausgleich bietet „Amanethes“ über eine Stunde Spielzeit verteilt auf 14 Songs. Die sperrige Bezeichnung des Albums stammt aus dem griechisch-türkischen Raum und beschreibt eine langsame Liedform, die von mystischen und traurigen Themen geprägt ist. Während letzteres seinen Niederschlag in den Texten des Albums findet, ist das Adjektiv „langsam“ kein Wort, das man ihm unmittelbar zuschreiben würde. Die Gründe hierfür liegen vor Allem in einer atmosphärischen Aufweichung des Sounds zugunsten eines umfangreicheren stilistischen Ausdrucks. Ein zweites „Prey“ (2003), dessen tonnenschwere Atmosphäre eine gewisse Gleichförmigkeit bedingt hat, ist „Amanethes“ somit nicht geworden. Auch der Vergleich mit anderen Werken Tiamats fällt schwer, denn das Album stellt viel mehr ein Konglomerat der Merkmale dar. Sozusagen ein stilistisches Best-Of, was jedoch nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die qualitative Klasse des Albums zulässt.

An Selbstbewusstsein mangelt es Mister Edlund nicht. Ja, es waren 5 lange Jahre. Ja, es war nicht immer einfach. Aber das lag bestimmt nicht daran, dass es nichts Neues von Tiamat zu hören gab. Niemand hat eine Vermisstenmeldung aufgegeben oder einen öffentlichen Aufruf gestartet. Und es hätten sich wohl auch nur Wenige gewundert, wenn Edlund die Auflösung seiner Band bekanntgegeben hätte. War nicht eh schon alles gesagt? „Wildhoney“ (1994) war nicht mehr viel hinzuzufügen. Alles Folgende sorgte nur noch in Genrekreisen für Gesprächsstoff. Das wird mit „Amanethes“ nicht viel anders laufen, denn auch wenn Tiamat abwechslungsreicher und frischer als zuletzt zu Werke geht, ist das Resultat nicht halb so aufsehenerregend wie das genannte Meisterwerk aus dem Jahr 1994.

„The temple of the crescent moon“ ist der überraschend harte Eröffnungstrack des Albums. Riffs und Refrain reißen keine Bäume aus und Edlunds Gesang klingt endgültig nach Stimmbandkrebs im Endstadium. Fast nahtlos, aber noch eine Idee schneller schließt sich „Equinox of the gods“ an, dessen Kinderchor am Ende einen markanten Kontrast darstellt. Den althergebrachten Tiamat begegnet man im doomigen „Until the hellhounds sleep again“. Gut zum „Prey“-Album hätte das darauffolgende „Will they come?“ gepasst. Insbesondere die Gesangslinien bleiben im Gedächtnis. Bis einschließlich „Katarraktis Apo Aima“ kann man alles getrost überspringen. Erst „Raining dead angels“ rüttelt wieder aus der sich anbahnenden Lethargie, aus der man mit melodischen „Misantropolis“ endgültig erwacht. Überhaupt lässt sich im Verlauf das Albums ein deutlicher Stimmungswechsel erkennen. Während zu Beginn Härte, Geschwindigkeit und Düsternis das musikalische Bild bestimmen, schlagen die letzten Songs in eine deutlich positivere und entspanntere Richtung aus. Das an Pink Floyd erinnernde „Meliae“ ist hierfür geradezu idealtypisch.

Fazit: „Amanethes“ macht es einem nicht leicht. Einerseits will man den Mut zur größeren Offenheit anerkennen, andererseits will sich unter den 14 Songs kein wirkliches Highlight finden. Zudem wirkt das Album zu keiner Zeit stimmig; die Atmosphäre packt einfach nicht. Man kann dem Vorgänger „Prey“ noch so sehr Stillstand vorwerfen – unbestreitbar war es von herausragender Intensität und hatte einige wirklich überzeugende Songs in petto („Cain“, „Love in chains“ und „Carry your cross and I'll carry mine“ um nur ein paar zu nennen). „Amanethes“ fehlt es an Charakter und an einer klaren Linie, oft genug aber auch an Substanz. Speziell zur Mitte des Albums hat sich so manches Füllwerk eingeschlichen. Unterm Strich bleibt somit ein sehr durchschnittlicher Eindruck.

Anspieltipps:

  • Maliae
  • Misantropolis
  • Will they come?

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