Madonna - Hard Candy - Cover
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Madonna Hard Candy


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 56 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

1983 erschien Madonnas erstes Album. Damals waren in Deutschland u.a. Mike Oldfield, Genesis und Michael Jackson ganz vorne in den Charts, während die Neue Deutschen Welle in den letzten Zuckungen lag und nur von einer gewissen Gabriele Susanne Kerner alias Nena künstlerisch überlebt werden sollte.

Mit dem Erscheinen von Madonna Louise Ciccone im internationalen Pop-Business bekamen Themen wie Selbstinszenierung, Provokation und ständiges Setzen neuer musikalischer Trends ein ganz neues Niveau. Madonna arbeitete mit Visionären wie William Orbit, Mirwais Ahmadzai und Nellee Hooper zusammen, prägte damit den Zeitgeist und war der Konkurrenz immer einen Schritt voraus. Heutzutage werden die Charts durch Produzenten wie Timbaland und Pharrell Williams bestimmt, die Künstler wie Nelly Furtado, Justin Timberlake, Snoop Dogg oder Gwen Stefani Hits mit Hits in Serie zu enormen Erfolgen pushen. Da dachte sich wohl die „stetig sich selbst neu erfindende Popkönigin“: Die Herren schnapp' ich mir und fertig ist der nächste Megaerfolg.

Früher hat Madonna die Trends gesetzt – heute läuft sie ihnen hinterher. Nur so kann man diese Milchmädchenrechnung in punkto Qualität und Originalität bezeichnen, was nicht unbedingt bedeuten muss, dass der Charterfolg ausbleibt. Wie auch, wenn im neuen Video „4 Minutes“ der gern und oft gebuchte Justin Timberlake zusammen mit der 49jährigen Mutter der Popmusik zu den typisch eingängigen Timbaland-Klängen der Marke „HipHop meets Pop“ herum hüpft? Dass der Track unterm Strich nicht mehr und nicht weniger als ganz nett ist – who cares?!

Nur ab und zu blitzt auf „Hard Candy“ ein wenig Klasse auf, z.B. wenn Pharrell Williams mit „Incredible“ einen potenziellen Hitgaranten abliefert, der nur zum Ende hin etwas eintönig wird oder wenn das ruhige „Miles away“ den klassischen Madonna-Sound exakt trifft. „Candy shop“ geht auch noch als gut durch, aber von einer Pop-Ikone erwartet man einfach mehr als nur Durchschnitt. Meistens aber kommt das tanzbare „Hard Candy“-Gebräu sogar richtig kalt und seelenlos aus den Boxen und Madonna gibt sich anscheinend damit zufrieden, auf Nummer sicher zu gehen. Das war früher ganz anders!

Unterm Strich bleibt auf diesem Album zu wenig hängen. Die Songschreiber und Star-Produzenten versuchen alles, Madonnas Stimme aufzupeppen, in dem sie elektronisch nachhelfen, aber die Songs haben wenig bis garkeinen Charakter. Im Prinzip könnte jedes neue Sternchen am Pophimmel Tracks wie „Devil wouldn’t recognize you“ oder „Heartbeat“ trällern, ohne dass es auffiele. Der Erinnerungsfaktor tendiert demnach bis auf wenige Ausnahmen gen Null.

Mit „Hard Candy“ legt Madonna ihrer Noch-Plattenfirma ein komisches Abschiedsgeschenk ins Nest. Vielleicht bemüht sie sich wieder mehr, wenn sie bei ihrem neuen Label Live Nation unter Vertrag ist. Das wäre ein dringender Wunsch für die Zukunft.

Anspieltipps:

  • Candy shop
  • Miles away
  • Incredible
  • PS: „Hard Candy” erscheint auch als teure Limited Edition in einer stabilen Pappschachtel. Vor diesem Kuckucksei soll an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt werden. Für den satten Aufpreis von ca. 10,-- Euro erhält der Käufer nämlich weder ein aufwändigeres Booklet, noch eine Bonus-CD bzw. DVD. Nein, die Überraschung ist groß, wenn stattdessen eine Tüte Bonbons („Candys“) zum Vorschein kommt. Heilige Abzockerei!

    Ähnlich enttäuscht wie von dem neuen Madonna-Album ist die Redaktion von CDstarts.de auch von der Online-Promotion-Abteilung von Warner Music Deutschland. Bemusterungsanfragen hinsichtlich der Madonna-CD (wie auch anderer Titel) bleiben unbeantwortet, Rezensionsexemplare ein Wunschtraum. Diese Art der „Zusammenarbeit“ stellt für uns ein absolut negatives Novum dar.

    Matthias Reichel im Namen der CDstarts.de Redaktion

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