Ad Vanderveen - Still Now - Cover
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Ad Vanderveen Still Now


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 91 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Hörer kann die erste Platte zum gepflegten Abrocken hernehmen und in stillen, verträumen Stunden zum zweiten Silberling greifen.

Nein, das ist kein neues oder verschollenes Album von Neil Young, dass da aus den Boxen schallt. Dennoch, die Überraschung ist geglückt. Denn Ad Vanderveen, ein Niederländer mit kanadischen Wurzeln, tritt auf dem Doppelalbum „Still Now“ in Sachen Stimme, Sound und Arrangements zu 100% in die Fußstapfen des großen, alten Gitarrenhexers.

Kenner und Freaks werden nun sagen, dass das nichts Neues für sie sei, schließlich macht der Gute schon seit locker zwei Dekaden Musik. Doch selbst sein deutsches Label – Blues Rose Records in Abstatt – bekam anfangs kalte Füße ob der unglaublichen Parallelen, als der Niederländer sein achtes Studioalbum „The Moment That Matters“ (2003) dem in der Nähe von Heilbronn ansässigen Label zur Veröffentlichung anbot. Aber dann fasste man sich bei Blue Rose ein Herz. Denn mit seinem erdigen Roots-Rock passt Ad Vanderveen wie die Faust aufs Auge in das Roster des kleinen Labels.

Ein Vergleich mit Neil Young ist selbstverständlich eine ziemlich hohe Hausnummer, die einem Künstler durchaus das Genick brechen kann. Deshalb sollte man bei der Bewertung des auf zwei Discs á zehn Songs aufgeteilte Album fair bleiben und wenn überhaupt Parallelen zu Herrn Young gezogen werden, dann zu seinem Spätwerk, das längst nicht mehr die Genialität seiner frühen Alben und der Comebackphase in den 90er Jahren besitzt. Neben diversen genialen Songs wie „Middle ground“, „Would you ever know”, „Life’s lonely dance” oder „Good morning” rutschen nämlich auch Herrn Vanderveen und seiner Band reichlich beliebige Stücke aus dem Ärmel, die dann fahrig, ohne Punch und nicht auf den Punkt kommend aus den Boxen plätschern. „Fairweather friends“, „Up in the air“, „Leave this world behind“ und „Clothing” sind drei Beispiele dazu.

„The Garage“ (CD 1) bildet den rockigen Part von „Still Now“, „The Living“ (CD 2) stellt die Solo-Akustik-Abteilung dar, wobei fünf Tracks je zweimal vertreten sind. Beide Spielarten werden von Ad Vanderveen gut beherrscht. So funktionieren Stücke wie „Nowhere to belong“ oder „Middle ground“ sowohl als raue Rocksongs im Stile von Crazy Horse, wie auch als intime Singer/Songwriter-Versionen mit Mundharmonika und Akustikgitarre. Ein bisschen viel auf einmal ist es dennoch, was Ad Vanderveen dem Hörer auf „Still Now“ zumutet. Mittlerweile eine Floskel, aber weniger ist eben manchmal mehr. Dennoch: Der Hörer wird ja nicht gezwungen, das gesamte Werk am Stück anzuhören. So kann er sich die erste Platte zum gepflegten Abrocken hernehmen und in stillen, verträumen Stunden zum zweiten Silberling greifen.

Anspieltipps:

  • Middle ground
  • Good morning
  • Nowhere to belong
  • Would you ever know

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