Sido - Ich Und Meine Maske - Cover
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Sido Ich Und Meine Maske


  • Label: Urban/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der qualitative Sprung zwischen „Ich“ und „Ich und meine Maske“ fällt (erwartungsgemäß) nicht mehr so eklatant wie zwischen „Maske“ und „Ich“ aus.

Mit „Maske“ (04/2004), „Ich“ (12/2006) und nun „Ich und meine Maske“ (05/2008) hat Rapstar Sido (27) seine Trilogie vollendet und sich endgültig in der Top 5 der deutschen HipHop/Rap-Liga etabliert. Dabei war der Weg vom analfixierten, nicht ernst zu nehmenden Ghetto-Lyriker („Arschficksong“) zum geachteten Goldrapper mit persönlichen Songs, die echte Inhalte vermitteln („Ein Teil von mir“), holprig und weit. Doch Sido hat die Herausforderung angenommen und im Vergleich zu vielen direkten Konkurrenten aus der deutschen Gangsta-Szene eine Entwicklung gemacht, die bemerkenswert ist.

Gleich vorweg: Der qualitative Sprung zwischen „Ich“ und „Ich und meine Maske“ fällt (erwartungsgemäß) nicht mehr so eklatant wie zwischen „Maske“ und „Ich“ aus. Und ganz ehrlich, dieser Anspruch wäre auch vermessen. Langweilig wird es trotzdem nicht, denn Sido pendelt sich produktionstechnisch auf dem Niveau von „Ich“ ein, bringt aber inhaltlich wieder mehr von seinen Wurzeln in die Texte ein. Neben ernsten Themen („Schule“, „Danke“, „Augen auf“, „Herz“, „Unser Leben“) bedeutet dies die Rückkehr zu schweinischen Songs („Strip für mich“, „Scheiss drauf“) und hartem Straßenrap („Jeder kriegt, was er verdient“, „Aggrokalypse“). Als Rückschritt ist dies allerdings nicht zu werten, da die Mischung unterm Strich äußerst stimmig ist.

Polarisieren wird Sido nicht mit oben genannten Tracks, sondern mit gewagten Songs wie „Carmen“ – eine ganz besondere Liebesballade im Boygroup-Sound – und „Nein!“ im Duett mit Lebensgefährtin Doreen, das sich inhaltlich wie eine Zusammenfassung einer ARD-Daily-Soap-Folge anhört („Es fällt mir nicht im Traum ein, deine Frau zu sein, solange du mit nicht mal anständig den Hof machst“). Aber das ist eben Sido, der sich nie zu ernst nimmt und immer ein Augenzwinkern übrig hat. Selbst wenn er es inzwischen nach ganz oben geschafft hat, macht er nicht übertrieben auf Dicke Hose und bleibt authentisch. Zudem bieten die 15 Tracks (bzw. 25 in der Premium Edition) musikalisch genügend Abwechslung, um eine Spielzeit von über einer Stunde zu rechtfertigen. Unterstützt wird Sido dabei von Azad, Kitty Kat, Fler, Shizoe, Doreen, Alpa Gun, Greckoe, Tony D, B-Tight, Pillath und Automatikk sowie den Produzenten Paul NZA & Marek Pompetzki, Shuko, Desue, Kingstrumentals und Djorkaeff.

Zusammenfassend muss der Rezensent dem Label-Info zustimmen, in dem es heißt: „Die ursprüngliche Idee von Rap war Inhalte zu vermitteln. Inhalte, die im Mainstream niemand hören wollte. Leider wurde Rapmusik mit der Zeit immer oberflächlicher, berechenbar und eindimensional. Auf Sido trifft das nicht zu. Egal ob man mit dem Berliner Rapper etwas anfangen kann oder nicht, Sido ist weder oberflächlich, berechenbar, noch eindimensional.“

Anspieltipps:

  • Danke
  • Carmen
  • Augen auf
  • Wieder zurück
  • Strip für mich
  • Jeder kriegt, was er verdient
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