Ashlee Simpson - Bittersweet World - Cover
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Ashlee Simpson Bittersweet World


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Autobiography“ (10/2004) war verspielt, verlangte vom Hörer kaum Aufmerksamkeit, besaß aber dennoch ausreichend Abwechslung, die durch ein gesundes Maß aus popigen Rocksongs und emotional dargebrachten Balladen entstand um als seichte Unterhaltung in ziemlich jeder Gefühlslage zu bestehen. Das in den Vereinigten Staaten fünfzehn Monate später erschienene „I am me“ (Veröffentlichungstermin in Europa war Oktober 2006) war im Gegensatz zum Debüt jedoch eine einzige Enttäuschung. Halbherziges Songwriting, kaum fesselnde Melodien und eine durchwachsene Aufbereitung des Erfolgs vom Vorgänger („Autobiography“ erhielt dreimal Platin) ließen nicht nur das Interesse am neuen Sternchen am Pop/Rock-Himmel versiegen, auch die Erwartungen an einen möglichen Nachfolger sanken ins Bodenlose.

Wie es der Zufall will und da schließlich jeder gerne eines Besseren belehrt wird, ist der jüngeren Schwester von Jessica Simpson zugegebenermaßen ein kleines Comeback mit geänderter musikalischer Ausrichtung gelungen, dass ihr allerdings ohne die Hilfe zweier äußerst prominenten Personen im Musikbusiness in dieser Form sicher nicht gelungen wäre. Die Rede ist von Starproduzent Timbaland (Madonna, Justin Timberlake, 50 Cent, Missy Elliott) und Chad Hugo, dessen Band The Neptunes (gemeinsam mit Pharrell Williams) oder N*E*R*D wohl für jeden ein Begriff sein sollte. Abgesehen davon, dass sich Ashlee nun glücklich schätzen darf, mit denselben Menschen an einem Album gearbeitet zu haben, die das letzte Oeuvre der Queen of Pop namens „Hard candy“ produziert haben, ist „Bittersweet world“ an und für sich eine wirklich positive Überraschung geworden, die jedoch mit einigen Einschränkungen genossen werden muss.

„Im Moment ist mein Leben traumhaft. Ich bin jung. Ich liebe mein Leben, meine Karriere, und ich genieße auch die Ruhepausen in vollen Zügen. Dieses Gefühl wollte ich mit meinem neuen Album zelebrieren. Ich wollte Songs aufnehmen, bei denen die Leute nicht still sitzen können. Songs, zu denen man einfach tanzen muss! Darum habe ich zum ersten Mal mit richtigen Beats gearbeitet. Es sollten ausgelassene Stücke sein, die zusammen eine astreine Party-Scheibe ergeben.“ gibt die 23jährige zu Protokoll. So weit so gut. Allerdings hat sie dabei eins übersehen: Ausgelassen feiern ist nicht unbedingt mit „gut“ gleichzusetzen und zwei Top-Produzenten machen noch lange keine hervorragende Platte. Dieses Manko wird nämlich gleich im Opener, der zugleich die erste Single „Outta my head“ darstellt, offensichtlich, wenn Ashlee zu knalligen Hip Hop Tunes mit rockigem Unterbau ihre selbstbewusste Message an den Hörer bringt und sich dabei einzig und allein auf die Beats verlässt, die jedoch leider nicht viel mehr als eine Idee zustande bringen, die sich in Endlosschleife über den Hörer ergießt.

Dasselbe Spiel, nur mit Kaugummi-Synthies versetzt, wiederholt „Boys“ und wenn Simpson in „Rulebreaker“ anfängt von „Beef“ zu reden und das böse F-Wort benutzt, beginnt man sich langsam aber sicher zu fragen, ob diese Neuausrichtung wirklich die richtige Entscheidung war, denn als kleiner Gangster macht die frisch gebackene Ehefrau von Fall Out Boy Pete Wentz irgendwie keine allzu gute Figur und wirkt eher lächerlich als glaubhaft. Zum Glück kratzt sie mit dem deutlich rockigeren „No time for tears“, das eine Rückbesinnung auf die „Autobiography“-Tage darstellt, die Kurve und legt mit der Power Ballade „Little miss obsessive“ gemeinsam mit Plain White T´s Sänger Tom Higgenson (nebenbei die zweite Single) noch eine Portion Gefühl mit drauf und sorgt bereits für den ersten Ohrwurm in Form einer grandiosen Hookline.

In „Ragdoll“ bietet sich erneut die feine Mischung aus pumpendem Hip Hop mit fetzigem Rock nach Timbaland Art, während der Titeltrack sogar dem Swing Einzug gebietet, dieses Stilelement allerdings nicht zur Gänze zufriedenstellend einsetzen kann und nur kurzfristig aufhorchen lässt. Geradezu harte Riffs schmettern einem dann in „What I´ve become“ entgegen. Dummerweise fehlt dem Song das gewisse Etwas um sich nachhaltig im Gehörgang festzusetzen, was dem nachfolgenden Track durch die unvergleichliche Handschrift Chad Hugos nahezu mühelos gelingt. Zwar ist „Hot stuff“ mehr oder weniger ein flottes „Lap dance“ (zu finden auf dem 2001er Album „In search of...“ von The Neptunes) mit geändertem Text, auf die Tanzfläche zerrt einen der Track durch den treibenden Rhythmus jedoch allemal. Kurz bevor es Ashlee dann doch nicht lassen kann und mit „Never dream alone“ eine Klavierballade mit pathetischen Streichern unterbringt, die sie mit ihrer dünnen Stimme nicht alleine tragen kann und dementsprechend emotionslos runterbetet, gelingt ihr mit dem Hip Hop-lastigen „Murder“ ein letzter Angriff auf alle Kopfnicker und Tanzwütige.

Klingt ja alles nicht so schlecht, wird man sich jetzt denken. Allerdings zeigt „Bittersweet world“ nicht das Album einer Sängerin, die halt eben mal mit zwei der angesagtesten Produzenten des Erdballs zusammengearbeitet hat und trotzdem ihren Stil (insofern bei Miss Simpson von etwas derartigem gesprochen werden kann) durchblicken lässt, sondern der Spieß wird einfach umgedreht und Ashlee verkommt mit einigen wenigen Ausnahmen zum Spielball der Beats und Tunes von Timbaland und Hugo, die aber wenigstens abgedrehte Samples und ähnliche Spielereien weitgehend auslassen, damit so mancher Fan nicht gleich von vornhinein völlig abgeschreckt wird. Daher ist für Album Nummer drei nur eine eingeschränkte Empfehlung auszusprechen, denn abgesehen von der Tatsache, dass nicht jeder das Material und die Ideen der beiden, oben genannten Herrschaften mögen wird, ist die Platte weniger Ashlee Simpson als eher eine Zusammenarbeit von Mister Mosley und Hugo, die sich zufällig für jeden Song die 23-Jährige ins Studio bestellt haben.

Anspieltipps:

  • Murder
  • Hot Stuff
  • No Time For Tears
  • Little Miss Obsessive

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