Blind Melon - For My Friends - Cover
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Blind Melon For My Friends


  • Label: Adrenaline Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Let's drop some pills and sing until we lose our voice“, schlägt Travis Warren im Titeltrack und Opener der neuen Blind-Melon-Platte „For My Friends“ vor und ist dabei kein Maulheld, sondern befolgt seinen eigenen Ratschlag. Zumindest den wichtigeren zweiten Teil davon. Mit aller Kraft und bis zur Erschöpfung singt sich der neue Sänger der blinden Melonen mit unglaublicher Intensität durch die 13 Albumtracks. Schließlich gilt es aus dem großen Schatten Shannon Hoons zu treten. Dieser war Sänger und Gründungsmitglied der 1989 gegründeten Alternative Rocker aus Mississippi und starb 1995 im Alter von 28 Jahren an einer Überdosis Kokain. Bis 1997 existierte die Rumpftruppe aus Christopher Thorn (Gitarre), Brad Smith (Bass), Glen Graham (Schlagzeug) und Roger Stevens (Gitarre) weiter und veröffentlichte noch ein drittes Studioalbum mit den vorhandenen Tonspuren Hoons, bevor das Projekt endgültig eingestampft wurde und die Ära einer der vielversprechendsten Alternative-Kombos vorbei war.

Da Reunions meist eher eine bedauernswerte Sache sind darf man „For My Friends“ mit der entsprechenden Portion Skepsis entgegensehen. Doch schon nach den ersten Tracks wird klar, dass alle Vorbehalte in diesem Fall unbegründet sind. Mit spielerischer Leichtigkeit lässt „For My Friends“ die alten Blind-Melon-Klänge wieder auferstehen und erinnert dabei vor allem an das Debüt ohne sich selbst zu wiederholen. Spürbar vom heutigen Indie-Rock beeinflusst, schafft es die Band den Sound der Neunziger in die Gegenwart zu transferieren. Mit einfachen Mitteln verstehen sie es eine ungemein intensive, fordernde Atmosphäre zu erschaffen. Die oft in Belanglosigkeiten und Banalitäten ausufernden Lyrics außen vor gelassen, sind nur wenige Kritikpunkte an dem Album auszumachen. So geriet das Ganze stellenweise vielleicht etwas zu glatt geschliffen und konturlos, für Fans der ersten Stunde möglicherweise zu poppig.

Doch abgesehen davon kann dieses Comeback-Album weit entfernt am Horizont als Orientierungshilfe für die neuen Möchtegern Alternative-Bands dieser Erde dienen. Voller Spielfreude kombinieren Blind Melon Jamparts, psychedelische, funkige und leicht soulige Elemente und punktgenaue Gitarrensoli zu 13 Rocksongs, die alles bieten was das Genre hergibt. Die perfekte Symbiose dieser Elemente zelebrieren die Jungs dabei auf dem überragenden „Wishing Well”. Doch auch auf die melancholischen Balladen verstehen sich die neuen Blind Melon ganz vorzüglich. Sänger Travis Warren schafft es durch seinen Gesang den Songs eine ungemeine Intensität zu verleihen. Textlich wird diese geniale Atmosphäre zwar nicht ansatzweise transportiert („Harmful Belly”), aber sei’s drum.

Die rockigeren Songs haben meist einen leichten Roots-Rock-Einschlag, was vor allem den beiden Gitarristen geschuldet ist. So sind die Arrangements stets auf einem dichten Gitarrenteppich gebettet und erzeugen so eine warme, erdige Klangfarbe. Die Musik erinnert teils an den Rock Ende der 60er und der 70er, von Cream bis Canned Heat („Sometimes”), an U2 („Down On The Phamracy”, „Make A Difference”), bis hin zu den White Stripes („Father Time”) oder Rod Stewart („Cheetum Street”). Aus diesen Zutaten kochen sich Blind Melon wie schon vor über zehn Jahren einen ganz eigenen Sound, der allen Blind-Melon-Fans und auch allen anderen wärmstens ans Herz gelegt sei.

Anspieltipps:

  • Wishing Well
  • Sometimes
  • Down On The Pharmacy
  • Make A Difference

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