Tindersticks - The Hungry Saw - Cover
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Tindersticks The Hungry Saw


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es dürfte nur wenige englische Bands geben, denen in den vergangenen gut 15 Jahren das Kunststück gelungen ist, mit Erfolg einen wirklich eigenen Stil zu kreieren. Einen Stil, der an all den vielen Hype-Wellen vorbeimusiziert tatsächlich so unique ist, dass es trotz international breiter Verehrung bisher einfach keiner weiteren Band gelingen wollte, ein auch nur halbwegs ähnliches Soundterrain abzustecken. Nun, ganz fraglos sind die Tindersticks aus Nottingham einer dieser speziellen Acts, was dementsprechend denn auch jede neue Albumveröffentlichung fast zwangsläufig zu einem ganz speziellen Happening werden lässt. Schließlich hat bisher vom Australier Nick Cave in seinen erhabeneren Momenten vielleicht einmal abgesehen noch niemand einen ähnlich anspruchsvollen Spagat zwischen dunkel- gefärbter Melodramatik und beglückender Eleganz hinbekommen wie eben dieses 1992 gegründete Sextett um Sänger und Cheftexter Stuart Staples.

„The Hungry Saw“ ist der mittlerweile siebte Longplayer der Tindersticks, der – ähnlich wie „Simple Pleasure“ im Jahr 1999 – erneut vor allem langjährige Fans der Band überraschen dürfte. Eine Überraschung, die ihren Grund hat, ist mit Dickon Hinchcliffe doch eine der tragenden Säulen des originären Tindersticks-Sounds auf „The Hungry Saw“ erstmals nicht mit von der Partie. Eine durchaus einschneidende Veränderung, waren es auf den frühen Alben Mitte der neunziger Jahre wie auch auf dem Vorgänger „Waiting For The Moon“ (2003) doch gerade die schmerzlich schönen Arrangements und das eindrückliche Violinenspiel von Hinchcliffe gewesen, die für eine ganz besondere Art von Charisma zu sorgen vermochten.

Da verwundert es kaum, dass die Tindersticks angesichts dieses veränderten Line-Ups (auch Bassist Mark Caulwill und Drummer/Trompeter Alasdair Macaulay sind seit 2006 nicht mehr dabei) gerade diese neue Platte als perfekten Moment für eine Art Neudefinition auffassen. Denn auch wenn ihr Soundgerüst sie bisher zu etwas tatsächlich mehr oder minder Einzigartigem gemacht hat den Protagonisten höchstselbst drohte zunehmend langweilig zu werden in der eigenen, immer eintöniger werdenden Klangkiste. Größere Veränderungen taten also Not, was nicht nur dazu führte, dass neben der Reduzierung des Stammpersonals ein Großteil der neuen Platte in Frankreich geschrieben und aufgenommen wurde, sondern erstmalig auch eine Reihe neuer Musiker sozusagen auf Projektebene integriert wurden.

Geschrieben von den Gründungsmitgliedern Stuart Staples, Keyboarder David Boulter und Gitarrist Neil Fraser zeigt „The Hungry Saw“ die Band daher mit fast schon logischer Konsequenz in nicht mehr ganz so trübseliger Stimmung. Wunderbar treibende Melodien gepaart mit Momenten, die durchaus die Bezeichnung Uptempo verdient haben, überziehen den Großteil der neuen Songs, so dass unterm Strich tatsächlich ein für Tindersticks-Verhältnisse bisher eher seltenes Gefühl von Frische und gutgelaunter Spielfreude entsteht. Ein auch für Fans der ersten Stunde durchaus emotionales Vergnügen, lässt „The Hungry Saw“ doch auch einen kleinen Blick in die tiefste Bandvergangenheit zu, in der Stuart Staples und David Boulter (Neil Fraser kam kurze Zeit später hinzu) Ende der 80er Jahre bereits den Kern der Tindersticks-Vorgängerband Asphalt Ribbons ausmachten.

Anspieltipps:

  • Yesterdays Tomorrows
  • The Organist Entertains
  • Boobar Come Back To Me

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